BerlinEs waren unruhige Tage bei den Planern der Corona-Impfkampagne, ehe nun festzustehen scheint: Am 21. Dezember soll die europaweite Zulassung für den ersten Impfstoff erfolgen. Zwei Tage später könnte die EU-Kommission ihre Zustimmung geben. Dann könnte in Deutschland der lang erwartete Startschuss für eine womöglich erfolgreiche Bekämpfung der Pandemie erfolgen.

Aufatmen auch in Berlin, nach Wochen der Ungewissheit. „Es war ein langes Hin und Her, wir in Berlin haben uns immer angepasst. Aber alles gut: Wir sind startklar“, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Mittwochmorgen im RBB. Doch ab wann in Berlin gegen Covid-19 geimpft werden kann und ob die Stadt dann wirklich startklar ist, ist keineswegs sicher. Kritiker haben Zweifel.

Zu den Institutionen, die nach der Festlegung auf den 21. Dezember noch einmal einiges auf den Kopf stellen müssen, gehört die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin. Nur Ärzte dürfen impfen, und die KV ist für die Bereitstellung der Ärzte in den sechs Berliner Impfzentren und in den mobilen Teams zuständig. Aktuell, so teilt die KV mit, sei man „dabei, die bisherigen Planungen an die neue Situation anzupassen“. Bisher war man von einer Zulassung am 29. Dezember ausgegangen, ein Start der Impfzentren für den 4. Januar avisiert. Nun, so sieht es aus, könnte theoretisch noch vor Weihnachten geimpft werden. Passend dazu verkündete Kalayci am Dienstag, dass „Anfang kommender Woche“ auch das letzte Impfzentrum einsatzfähig sein solle.

Zuletzt hat die KV Berlin unter den rund 34.000 Berliner Ärzten rekrutiert. Die KV hat Verträge mit knapp 10.000 sogenannten Vertragsärzten – das sind Ärzte mit eigenem Niederlassungssitz. Von dieser Gruppe dürfen etwa 7100 impfen – der Rest sind Psychotherapeuten ohne Impfzulassung. In der zweiten Gruppe befinden sich die sogenannten Nicht-Vertragsärzte, etwa Ärzte im Ruhestand oder angestellte Ärzte in Praxen, Krankenhäusern oder Behörden. Auch sie konnten sich in Impfdienste eintragen. Nach Angaben der KV haben dies bis Mitte dieser Woche knapp 1000 Berliner Mediziner getan. Für die Impfzentren sind nach KV-Angaben pro Tag 180 Schichten zu besetzen, für die mobilen Teams sind es 32 Tagesschichten. Um Impftätigkeit und Praxisbetrieb besser zu vereinbaren, ist für die Zentren ein Zwei-Schicht-System geplant.

Ein Einsatz als Impf-Arzt wird nach Informationen der Berliner Zeitung mit einem Stundenhonorar von 120 Euro vergütet. Für einen Medizinischen Fachangestellten, der den Arzt begleitet und unterstützt, werden demnach von der KV noch einmal 60 Euro pro Stunde gezahlt. Die KV holt sich das Geld anschließend von den Krankenkassen zurück.

Personal sollte vorhanden sein, das heißt aber nicht, dass ein unfallfreier Start der Impfkampagne gesichert ist. So ist bis heute nicht klar, wie viel Impfdosen das Land Berlin im ersten Quartal 2021 erhält. Nach Worten von Senatorin Kalayci sei derzeit deutschlandweit von 13 Millionen Impfdosen für die ersten drei Monate die Rede, umgerechnet auf Berlin wären das 585.000 Impfdosen. Dieser Impfstoff ist empfindlich und muss bei Minus 80 Grad gelagert werden.

Technisch sind die Anforderungen erfüllbar, eine besondere Herausforderung dürfte das Einladungswesen darstellen. Als erste Bevölkerungsgruppe sollen die 80-Jährigen und Älteren sowie die Betreuer in Altenpflegeeinrichtungen geimpft werden. 75.000 Alte und deren Betreuer leben beziehungsweise arbeiten in Heimen. Für sie sorgen die mobilen Teams. Doch 203.000 Leute Ü80 leben in Berlin zu Hause. Sie müssen anhand des Eintrags im Einwohnermeldeamt angeschrieben und zum Impfen eingeladen werden. Die Adressaten sollen dann per E-Mail oder Telefon den Termin im Impfzentrum bestätigen und dann die mitgeschickten Einwilligungserklärungen und Aufklärungsbögen mitbringen. Hinzukommt: Jeder muss zweimal binnen drei Wochen geimpft werden.

Der Arzt und Linken-Politiker Wolfgang Albers spricht von einem gewaltigen „organisatorischen Problem“. Es sei „keine leichte Aufgabe“, diese Bevölkerungsgruppe zu impfen. Allein der fehlende Internetzugang vieler Betroffener und die zu erwartende chronische Überlastung der Telefonleitungen sind Quellen für Fehler und Frustration. Für Albers, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Abgeordnetenhaus, gilt deswegen: „Es wäre ein Erfolg, wenn wir Mitte Januar mit dem Impfen anfangen könnten.“ Man müsse „die Erwartungshaltung reduzieren“.

Albers hofft auf die Zulassung anderer, robusterer Impfstoffe. Diese könnten dann von Hausärzten in Praxen verimpft werden. So wie jeder andere Impfstoff auch.