Berlin - 25 Jahre nach der Wiedervereinigung sehen Politiker und Vertreter der Gesellschaft Deutschland vor einer doppelten Herausforderung. Deutschland dürfe jetzt beim Aufbau Ost nicht nachlassen, forderte die Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Länder, Iris Gleicke. Ein Ende der Unterstützung würde bedeuten, „einen Motor abzuwürgen, den man gerade mit viel Aufwand ins Laufen gebracht hat“, sagte die SPD-Politikerin im Bundestag.

Für eine gerechtere Handelspolitik

Zugleich wurde deutlich, dass am Tag der deutschen Einheit in diesem Jahr die Herausforderungen der Flüchtlingskrise ein großes Thema sind. So bekräftigten die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland ihre Forderung, durch eine gerechtere Handelspolitik die Fluchtursachen zu bekämpfen. „Wir müssen von unseren materiellen Möglichkeiten abgeben“, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx in Berlin. „Vielleicht kostet das mehr als die deutsche Einheit.“

Der Bundestag beriet am Freitag den Jahresbericht 2015 zur Einheit, den das Kabinett bereits verabschiedet hat. Demnach hat sich der reale Gesamtwert aller Wirtschaftsleistungen im Osten seit 1991 mehr als verdoppelt. Allerdings haben viele Gemeinden – nicht nur, aber gerade im Osten – mit Überalterung zu kämpfen. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) verwies in diesem Zusammenhang in Erfurt auf die Chancen, die in der Zuwanderung der Flüchtlinge lägen.

Viele würdigten, was nach der Wiedervereinigung erreicht wurde. Der Vize-Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Arnold Vaatz, sagte die Leistung der deutschen Bürger sei „umso höher einzuschätzen, wenn man weiß, wo die DDR 1989/1990 stand, nämlich kurz vor dem Bankrott“. Der frühere Außenminister und langjährige FDP-Vorsitzende Hans-Dietrich Genscher betonte in einem Gastbeitrag für die „Mitteldeutsche Zeitung“ und den „Kölner Stadt-Anzeiger“, dass die „innere Vereinigung“ schneller verlaufen sei, „als man das nach so langer Trennung erwarten konnte“.