Berlin - Berlin wird im 30. Jahr nach dem Fall der Mauer eine Woche lang zu einer großen Open-Air-Ausstellung unter freiem Himmel: mit Kunstinstallationen, Hörstationen, Gesprächen und viel Musik. Nach Informationen der Berliner Zeitung sollen Orte in der Stadt, die eng mit dem Mauerfall am 9. November 1989 verbunden sind, an die Ereignisse in dieser turbulenten Zeit erinnern.

Mauerfall-Jubiläum: Themenwoche an Orten der Wendezeit in Berlin

Vom 4. bis 10. November sind stadtweite „temporäre Anlaufstellen“ geplant, im Gespräch sind Alexanderplatz, Gethsemanekirche, Brandenburger Tor, Bornholmer Brücke, Kudamm und Breitscheidplatz. Von „Tagen der Begegnung“ ist die Rede, ebenso von einem kritischen Umgang mit der Geschichte. „Wir schauen mit differenziertem Blick auf die Zeit des Umbruchs in der DDR“, sagt Tom Sello, Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur im Land Berlin. Es gehe auch um die Hoffnungen, Wünsche und Forderungen, die die Menschen damals hatten.

Sello, der in der DDR in oppositionellen Friedens- und Umweltgruppen gearbeitet hatte, gehört zu einem Beirat, der die Organisatoren der landeseigenen Kulturprojekte Berlin GmbH berät. Zum Gremium gehören auch die Robert-Havemann-Gesellschaft, die Bundesstiftung Aufarbeitung, Berlins Tourismusagentur Visit Berlin sowie die Gedenkstätte Berliner Mauer. Deren Direktor Axel Klausmeier sagte der Berliner Zeitung: „Wir wollen die internationale Dimension der Ereignisse betrachten. Dabei wollen wir uns auch mit den Menschen beschäftigen, die 1989 nicht als einziges Jubelfest erlebt haben. Insofern spielen für uns auch die Ambivalenzen des Erinnerns in diesem Jahr eine große Rolle.“

Etwa zehn Millionen Euro sind für die Jubiläumswoche eingeplant. Künstler, Architekten, Designer sowie Vereine und Initiativen werden einbezogen. Alle Veranstaltungen sind kostenlos. An diesem Mittwoch wird Kultursenator Klaus Lederer (Linke) das Konzept vorstellen.

30 Jahre Mauerfall: Mehr Erinnerung und Mahnung

Daran arbeiten die Organisatoren seit sechs Monaten. Manches ist noch nicht endgültig entschieden. Doch alle Beteiligten wissen, die Erwartungshaltung ist hoch. Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls im Jahr 2009 stand auf dem Alex eine große Freiluft-Ausstellung zur Friedlichen Revolution, entlang des Mauerstreifens kippten riesige Dominosteine um. Zum 25. Jubiläum (2014) wurde der Mauerverlauf mit 8000 leuchtenden Ballons markiert, die abends in den Himmel stiegen.

Doch im 30. Jahr wollen sich die Veranstalter nicht mehr nur auf die Mauer konzentrieren, es soll weniger spektakulär, vielmehr „erinnernd und mahnend“ werden, wie es bereits in einem Zwischenbericht an das Abgeordnetenhaus Ende 2018 hieß.

„Wir haben diese Zeit bis heute nicht richtig aufgearbeitet, es gab auch Verlierer in diesem Prozess“, sagt Sabine Bangert, Abgeordnete der Grünen und Vorsitzende des Kulturausschusses. „Wir brauchen dafür die notwendige Sensibilität.“

Musikfestival zum 30. Jahrestag des Mauerfalls

Trotz aller Nachdenklichkeit und Differenziertheit wird der Mauerfall aber auch gefeiert. Am 9. November 2019, einem Sonnabend, findet ein großes Musikfestival auf mehreren Bühnen statt. Eingeladen sind nationale und internationale Musiker, deren Songs mit dem Mauerfall verbunden sind.

Nach dem Vorbild der Fête de la Musique finden über hundert Konzerte statt, etwa im Mauerpark und an der East Side Gallery. Hobbychöre, Schüler- und Profibands sind dabei. Und gegen 19.30 Uhr, dem Zeitpunkt, als Günter Schabowski am 9. November 1989 die Grenzöffnung in einer Pressekonferenz verkündete, könnte eine Symphonie der Großstadt erklingen, mit den Hits der Wende und Revolutionshymnen. „Musik kennt keine Grenzen, alle spielen mit und der Mauerstreifen wird zur Bühne“, steht im Konzept.