Berlin - Nachdenklich. Wohl selten sind die Planungen zu einem nationalen Festakt so sehr von diesem Adjektiv dominiert worden, wie die für die Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag des Mauerfalls und der friedlichen Revolution in dieser Woche.

Anders als vor zehn Jahren, als man mit weltpolitischer Prominenz am Brandenburger Tor ein heiteres Mauer-Domino veranstaltete, oder vor fünf Jahren, als Tausende auf dem ehemaligen Mauerstreifen eine Lichterkette aus Ballons aufsteigen ließen, gibt es diesmal nicht die eine große Veranstaltung. Stattdessen lädt der Senat zur stadtweiten Festivalwoche unter dem Motto „7 Tage – 7 Orte“. Mehr als 200 Veranstaltungen sind aufgelistet.

Den intellektuellen Überbau für die neue Nachdenklichkeit hat Kultursenator Klaus Lederer (Linke) vorgegeben. Anders als in früheren Jahren fehle die Aufbruchstimmung, konstatierte er. 

Er erinnert unter anderem an „Versäumnisse und Defizite im Einigungsprozess“ und hat beim Thema Mauerfall längst einen „Versuch der nationalistischen Vereinnahmung durch Rechte“ ausgemacht. Tatsächlich soll deswegen dieses Mal nicht ganz so pompös und staatstragend gefeiert werden, sondern dezentral.

Die Welle der Wünsche am Brandenburger Tor 

Der historische Tag, der 9. November, wird am Brandenburger Tor groß begangen. Ein „imposanter Video-Dome“ werde zur „zentralen Projektionsfläche“ für „Live-Acts, Schauspiel- und Lichtperformances“, heißt es in der Ankündigung. 

Der Regierende Bürgermeister übernimmt die Begrüßung, der Bundespräsident die Eröffnung, dann spielen Musiker und Bands wie Dirk Michaelis, Die Zöllner, Anna Loos, der Rapper Trettmann und die Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim.

Wer sich schon vorher einen Eindruck von der diesjährigen Gestalt der Feier machen möchte, dem sei ein Spaziergang über die Straße des 17. Juni empfohlen. Dort ist seit Freitag „Visions in Motions“ zu sehen, eine gut 100 Meter lange Installation aus mehr als 100.000 bunten Plastikfähnchen.

Rund 30.000 Fähnchen sind in den vergangenen Wochen mit Wünschen, Hoffnungen und Ideen versehen worden. Wer sucht, der findet darunter vielleicht auch das „I’ve Been Looking For Freedom“ des unvermeidlichen David Hasselhoff.

Zu den sieben Orten der Festwoche, die auf verschiedene Weise mit der einstigen Mauer und der friedlichen Revolution zu tun haben, gehören neben dem Brandenburger Tor der Alexanderplatz, der Schlossplatz, die Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg, die Stasi-Zentrale in Lichtenberg, die East Side Gallery aber auch der Kurfürstendamm – schließlich war dieser für viele Ost-Berliner ein Sehnsuchtsort, den sie in jenen Tagen im November ausgiebig besuchten.

„Godmother of Punk“ in der Gethsemanekirche.

Allein sieben Open-Air-Ausstellungen gibt es, großflächige 3D-Videoprojektionen, historische Filmaufnahmen an Häuserfassaden. Dazu kommen rund 200 Ausstellungen, Konzerte, Diskussionsabende, Workshops, Führungen und vieles andere. Der Bogen wird gespannt von der Theaterperformance „4-11-89“ mit Sound, Schauspiel und Tanz (4.November, 17.30 Uhr, Alexanderplatz) bis zum Punkrock-Konzert der Band Anti X in der Normannenstraße (10. November, 17.30 Uhr).

Dazwischen findet man allerlei Nachdenkliches wie eine Diskussion unter dem Titel „Wie erreichen wir die Demokratieverdrossenen?“, unter anderem mit Sabine Rennefanz von der Berliner Zeitung (6. November, 17.30 Uhr, Alexanderplatz), aber auch unabweisbar Cooles wie ein Konzert der „Godmother of Punk“, Patti Smith, am 5. November um 20 Uhr in der Gethsemanekirche.

Programm unter: www.mauerfall30.berlin