Berlin - Am Aschermittwoch ist bekanntlich alles vorbei: Geht es nach den Grünen und Umweltbundesamt, dann bleibt auch das Auto in der Garage. Bundesbürger sollten die Fastenzeit nutzen, wo es möglich ist, auf ihr Auto verzichten. Ein Grund sei die hohe Luftverschmutzung in einigen Städten.

Die Landesregierung in Baden-Württemberg sah sich kürzlich gezwungen, in Stuttgart ab 2018 an Tagen mit hoher Schadstoffbelastung zentrale Straßen im Talkessel für viele Diesel-Fahrzeuge zu sperren. Und Stuttgart ist kein Einzelfall. Auch andernorts werde man an Fahrverboten nicht vorbeikommen, meint der Deutsche Städtetag.

Bahnfahren soll günstiger werden

Damit der Schritt von der Idee zur Tat leichter fällt, sollten die Bahn und regionale Verkehrsträger allen „Autofastern“ während der 40 Tage bist Ostern Sonderrabatte gewähren, um neue Kunden anzulocken, schlagen Katrin Dziekan vom Umweltbundesamt und Stephan Kühn, Grünen-Verkehrsexperte im Bundestag, vor. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) unterstützt die Aktion ebenfalls. Sie sagte der dpa, es gehe nicht darum, das Autofahren ganz zu verbieten. „Aber wir können unsere Perspektiven ändern, wenn wir ganz bewusst und zumindest in der Fastenzeit auf andere Verkehrsmittel umsteigen.“, Drei von vier Haushalten hierzulande haben mindestens ein Auto. Bundesweit gibt es rund 45 Millionen Fahrzeuge, von denen etliche die meiste Zeit des Tages ungenutzt herumstehen.

Menschen sollen ihre Lebensgewohnheiten überdenken

Der Grund für den Vorschlag sind schlechte Luftwerte. Vor einem Monat hatte das Umweltbundesamt mitgeteilt, die Luft in deutschen Städten sei 2016 zu stark mit Stickstoffdioxid belastet gewesen. Schuld sind vor allem alte Dieselautos. Für Ozon und Feinstaub werden die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Werte deutlich überschritten.

Die Idee des Autofastens ist nicht neu und auch kein grünes Patent. Es waren die Kirchen vor 20 Jahren. „In der Fastenzeit sind wir Christen aufgefordert, unsere Lebensgewohnheiten zu überdenken und zu überprüfen“, forderte damals der Umweltbeauftragte des Bistums Mainz, Franz Hock.

ADAC unterstützt den Vorschlag

Bislang hat sich noch kein Widerstand gegen den Vorschlag geregt. Auch nicht von der Autofahrerlobby. Der ADAC hat keine grundsätzlichen Einwände und geht sogar noch über die 40 Tage hinaus: Der freiwillige Autoverzicht müsse auch nicht auf die Fastenzeit beschränkt bleiben, sagte ADAC-Sprecher Andreas Hölzel. Kurze Strecken ließen sich auch gut zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen. Für längere Distanzen brauche es aber konkurrenzfähige Alternativen. Nach einer ADAC-Umfrage wären viele Menschen bereit wären, auf Bus und Bahn umzusteigen. Aber nur, wenn die Fahrpreise niedriger wären, die Verbindungen schneller und zuverlässiger, das Tarifsystem durchschaubarer.

Auf dem Land fällt verzichten schwer

In der Stadt mag das Autofasten einfach sein, auf dem Lande könnte es zur Selbstkasteiung werden. Ulrich Lange, CDU-Verkehrsexperte, bittet um einen realistischen Blick aufs Ganze: „Ich komme aus einem richtigen Flächenwahlkreis. In der Praxis stößt der Verzicht auf das Auto und der Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr für unsere Bürger und auch für mich dort auch an seine Grenzen.“ Stefan Küper vom Umweltverband Germanwatch rechnet vor, was ein Auto tatsächlich kostet: „Gerade bei Einbezug der Fixkosten wie Wertverlust des Wagens, Steuern, Versicherung, TÜV und so weiter fährt es sich mit Bus und Bahn in der Regel deutlich günstiger.“ Aber auch er sagt: „Natürlich gibt es aber insbesondere auf dem Land Wohnlagen, in denen es ganz ohne Auto nur schwer geht.“

Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass die vielen Staus in Deutschland ein Indiz für zu viele Autos sein könnten, ebenso wie die Umweltbelastungen durch Luftschadstoffe und Lärm. „Weniger Autos würden daher unsere Städte lebenswerter machen. Hier würde es helfen, sich Autos zu teilen“, schlägt Katrin Dziekan vor. Vielleicht geht es ja in die richtige Richtung: Jüngere Menschen legen offensichtlich weniger Wert auf ein eigenes Auto, ohne weniger mobil zu sein. Dziekan: „Bleibt zu hoffen, dass diese Entwicklung anhält.“ (mit dpa)