Als sich die Mondlandung 2018 zum 49. Mal jährte, gab es auf Twitter einen Aufruf: Die Nutzer sollten mitteilen, wo sie  waren, als die ersten Menschen den Mond betraten. Eine  Antwort lautete „I was on the Moon“ – gegeben von dem einzigen, er sie geben konnte: Buzz Aldrin, Astronaut der Apollo-11-Mission und nach Neil Armstrong zweiter Mensch auf dem Mond. Am Sonnabend ist die legendäre Landung 50 Jahre her. Zu diesem Anlass haben wir Abgeordnete aus dem Wissenschaftsausschuss des Bundestages gefragt, wo sie damals waren, wie sie das Ereignis erlebt haben, und was das Jahr 1969 heute noch für Politik und Gesellschaft bedeutet.

Ernst Dieter Rossmann (SPD), geboren 1951, Vorsitzender des Wissenschaftsausschusses: 

„Im Juli 1969 war ich mit meiner Familie im Urlaub im Harz. Ich habe die Mondlandung und die vorherige Spannung zwischen Schwimmbadbesuchen und Wanderungen erlebt. Am Radio, einen Fernseher gab es in unserer kleinen Pension – soweit ich mich erinnern kann – nicht. Größer hätte der Kontrast nicht sein können: Hier wir im Harz, dort Neil Armstrong auf dem Mond. Natürlich erinnere ich mich an seinen berühmten Satz: ‚Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit‘. Das war schon ein besonderer Moment – wir waren damals empfänglich für Pathos. Ob es wirklich so ein großer Sprung war? Uns 18-Jährige hat der Weltrekord-Sprung von Bob Beamon bei den Olympischen Spielen in Mexiko 1968 sicher ebenso begeistert. Trotzdem war die Mondlandung ein einschneidendes Erlebnis, das meine Generation ähnlich geprägt hat wie das Attentat auf John F. Kennedy oder die Kuba-Krise. Mich hat vor allem beschäftigt, wie die Astronauten mit der körperlichen und psychischen Belastung umgegangen sind. Insofern betrachte ich die Mondlandung auch nicht als Sieg im Wettlauf zweier Systeme, sondern als Resultat von Mut, Opferbereitschaft und menschlicher Höchstleistung. Die Reise zum Mond hat ein Tor in eine neue technologische Dimension geöffnet. Damit einher geht die Verantwortung, dass wir mit dem Weltraum vernünftig umgehen. Das, was Armstrong und seine Kollegen damals getan haben, war jungfräulich. Wir sind es heute nicht mehr.“„Im Juli 1969 war ich mit meiner Familie im Urlaub im Harz. Ich habe die Mondlandung und die vorherige Spannung zwischen Schwimmbadbesuchen und Wanderungen erlebt. Am Radio, einen Fernseher gab es in unserer kleinen Pension – soweit ich mich erinnern kann – nicht. Größer hätte der Kontrast nicht sein können: Hier wir im Harz, dort Neil Armstrong auf dem Mond. Natürlich erinnere ich mich an seinen berühmten Satz: ‚Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit‘. Das war schon ein besonderer Moment – wir waren damals empfänglich für Pathos. Ob es wirklich so ein großer Sprung war? Uns 18-Jährige hat der Weltrekord-Sprung von Bob Beamon bei den Olympischen Spielen in Mexiko 1968 sicher ebenso begeistert. Trotzdem war die Mondlandung ein einschneidendes Erlebnis, das meine Generation ähnlich geprägt hat wie das Attentat auf John F. Kennedy oder die Kuba-Krise. Mich hat vor allem beschäftigt, wie die Astronauten mit der körperlichen und psychischen Belastung umgegangen sind. Insofern betrachte ich die Mondlandung auch nicht als Sieg im Wettlauf zweier Systeme, sondern als Resultat von Mut, Opferbereitschaft und menschlicher Höchstleistung. Die Reise zum Mond hat ein Tor in eine neue technologische Dimension geöffnet. Damit einher geht die Verantwortung, dass wir mit dem Weltraum vernünftig umgehen. Das, was Armstrong und seine Kollegen damals getan haben, war jungfräulich. Wir sind es heute nicht mehr.“

Dietlind Tiemann (CDU), geboren 1955, wuchs in Sachsen-Anhalt und Brandenburg auf:

„Meine erste Erinnerung in Zusammenhang mit dem Thema Raumfahrt ist die an den Weltraumflug von Juri Gagarin, der 1961 als erster Mensch im All war. Das war ein ganz besonderes Ereignis. Die Mondlandung habe ich nicht live gesehen, aber sie hat mich unglaublich fasziniert – so wie  alles, was mit dem All und dem Fliegen zu tun hat. Ich habe selbst Segelfliegen gelernt und war immer von Technik begeistert, ursprünglich wollte ich Kernphysik studieren. Mit der Mondlandung wurde etwas wahr, was unvorstellbar erschien. Der Mond hatte ja immer etwas Unerreichbares. Ich habe als Kind die Science-Fiction-Romane von Stanislaw Lem gelesen und später „Raumschiff Enterprise“ geguckt. Menschen, die ins All fliegen, an Raumstationen andocken – heute ist vieles  Realität, was ich damals als ferne Zukunftsvision empfunden habe. Die Raumfahrtforschung hat  wesentliche technische Fortschritte gebracht, etwa bei der  Entwicklung von Materialien, die  später für die Industrie wichtig wurden. Darüber hinaus gibt es eine übergeordnete Bedeutung: Die Raumfahrt ist ein Symbol dafür, dass man sich Neugier und Wissensdurst erhalten muss. Jemand, der das verkörpert, ist der Astronaut Alexander Gerst. Letztlich ist es mit der Raumfahrt wie  mit der Politik: Man muss das große Ganze sehen, aber immer auch bedenken, welche Auswirkungen es für den einzelnen Menschen hat. Auf der einen Seite gibt es heute so viele Möglichkeiten – bis hin zu der Tatsache, dass Privatleute ins All fliegen könnten. Auf der anderen Seite ist noch so vieles unbekannt. In nicht allzu ferner Zukunft werden Menschen zum Mars fliegen können. Aber sollten wir wirklich so viel Geld dafür ausgeben? Oder es lieber anderswo investieren? Das ist etwas, das man abwägen muss.“ 

Thomas Sattelberger (FDP), geboren 1949, arbeitete mehr als 20 Jahre für Luft- und Raumfahrtunternehmen:

„Politisch gesehen war die Zeit vor der Mondlandung eine eher düstere Zeit. Die USA verstrickten sich in den Vietnamkrieg. Der Kalte Krieg zwischen den Supermächten USA und Sowjetunion war furchteinflößend. Und als die Sowjetunion 1957 den Sputnik-Satelliten ins All schickte, war klar: Die technische Überlegenheit der Amerikaner ist lange nicht so groß wie gedacht. Und dann kam John F. Kennedy mit seiner Ankündigung, einen Menschen zum Mond zu schicken. Er hatte eine Zukunftsvision, die Realität wurde. Diese Bilder, als der erste Astronaut auf dem Mond herumstakste – damit wurden für mich damals als Jugendlicher Zukunftsträume der Menschheit wahr. Es war eine Mischung aus Innovation, technischem Fortschritt, Fortschritt der Menschheit... Das war in den düsteren Jahren ein echtes Symbol, dass sich die Welt wieder dreht, ein Zeichen für Zukunft. Was die Wissenschaft anging, war die Mondlandung ein Startschuss. Und hinter ihrer Symbolik steckte ja viel mehr: Die Erkenntnis, dass Wissenschaft und Forschung die Menschheit nach vorne bringen werden. Ein Space-X-Programm von Elon Musk oder die gesamte GPS-Technologie wären ohne das überhaupt nicht möglich geworden. Hinter der Idee der Raumfahrt steckt die Vorstellung, dass der Mensch mit Technologie kühnsten Fortschritt schaffen kann. Technologie hat den Menschen weit mehr Chancen gebracht als Risiken. Dass das nicht endet, sondern dass die Menschheit vor einer neuen Welle von Innovation und Aufbruch steht, diesen Gedanken verkörpert die Raumfahrt. Es ist übrigens ganz wichtig, dass das kein Männerthema wird, sondern dass Frauen auch hier ihren Platz einnehmen. Dafür brauchen wir mehr weibliche Rollenvorbilder. So wie im Science-Fiction-Genre: Da gab es immer starke Frauen im Weltall.“