Gunter Demnig beim Verlegen eines Stolpersteins. 
Foto: Martin Müller

MemmingenEs war ein Jubiläum in der Provinz: Am Sonntag hat Gunter Demnig seinen 75 000. Stolperstein verlegt. Schauplatz war das Städtchen Memmingen im Allgäu, gedacht wurde Martha und Benno Rosenbaum. Rosenbaums gehörten einst zu den wohlhabendsten Juden Memmingens.

Vor der Deportation durch die Nazis konnten sie 1941 nach Montevideo in Uruguay fliehen. Benno Rosenbaum ertrug die Flucht nicht und beging Selbstmord. Es sind solche Schicksale, die Gunter Demnig im Blick hat, wenn er seine Stolpersteine verlegt, kleine Messingplatten, die Passanten aufmerksam machen sollen auf frühere Nachbarn und Bewohner, Juden, die von den Nazis verfolgt und vernichtet wurden.

Erinnerungsarbeit in mehrfacher Hinsicht

Oft ist der Stein das einzige bleibende Andenken. Die Passanten sollen sprichwörtlich über die eingravierten Namen und biografische Daten stolpern – Erinnerungsarbeit in mehrfacher Hinsicht. 1996 verlegte Gunter Demnig seinen ersten Stein in Berlin. Inzwischen gibt es nach seinen Angaben Stolpersteine in mehr als 1 250 Gemeinden in Deutschland, aber auch in Nachbarländern wie den Niederlanden oder Polen. Demnig versteht das Verlegen der Steine als Kunstaktion.

Der gebürtige Berliner, der seit mehr als drei Jahrzehnten in Köln lebt, nennt die Stolpersteine „das größte dezentrale Mahnmal der Welt“. Tatsächlich recherchiert er  die Biografien nicht selbst. Er wird aktiv, wenn ihn Heimat- oder Geschichtsvereine, Angehörige oder Schülergruppen kontaktieren, die ein Schicksal dokumentiert haben.

Harte Arbeit

Pro Monat können bis zu 440 Steine hergestellt und verlegt werden. Das klingt nach Routine, soll es aber keinesfalls sein, wie es auf Demnigs Homepage heißt. „Jedes Schicksal bewegt uns und soll bewegen“, steht dort. „Wir möchten bewusst keine Massenverlegungen, um der damaligen Massenvernichtung etwas entgegenzusetzen.“

Für den 72-jährigen Künstler bedeutet das harte Arbeit nach wie vor, schließlich verlegt Demnig die meisten Steine noch immer selbst.