Berlin -  Am 22. Juni 1941 überfiel Deutschland die Sowjetunion. Bundestagspräsident Schäuble verweigert eine Gedenksitzung zum 80. Jahrestag. Er scheut die mörderische Wahrheit, die sich schon in den Vorbereitungen zeigte. Hier eine Chronologie:

18. Dez. 1940: Hitler erteilt die Weisung, „die UdSSR in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen“.

21. Jan. 1941: Heydrich, Chef des Reichssicherheitshauptamts, erhält von Hitler den „Auftrag zur Vorlage eines Endlösungsprojektes“.

Im Februar veranstaltet die Wehrmachtführung das Kriegsspiel „Angriff auf Russland, 1.6.41“ und resümiert: „Aktiver und passiver Widerstand der Zivilbevölkerung ist mit energischen Strafmaßnahmen im Keim zu ersticken.“

Am 17. März beschließen Hitler und Hans Frank, Generalgouverneur in Krakau, Polen „zu einem rein deutschen Land“ zu machen und vorab zu „entjuden“. Zudem erörtern Hitler und Generalstabschef Halder das Ziel, die „von Stalin eingesetzte Intelligenz“ zu vernichten und „im großrussischen Bereich brutalste Mittel“ anzuwenden.

Am 26. März notiert Heydrich: „Bezüglich der Lösung der Judenfrage legte ich Göring meinen Entwurf vor.“ Dieser zeigt sich zufrieden und fordert, die Wehrmacht „über die Gefährlichkeit der sowj. Geheimpolizei-Organisation, der Politkommissare, Juden usw.“ zu instruieren, damit diese wisse, wen sie „an die Wand zu stellen habe“. Wobei Göring die hinter der Truppe einmarschierenden SS-Einheiten „selbstverständlich weitgehend selbständig zur Geltung kommen lassen“ werde.

Am 2. Mai protokollieren die zuständigen Staatssekretäre und ein Wehrwirtschaftsgeneral die ökonomischen Ziele des Krieges gegen die Sowjetunion: „Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn von uns das für uns Notwendige aus dem Land herausgeholt werden wird.“

23. Mai: In den wirtschaftspolitischen Richtlinien zur künftigen Besatzungspolitik in der Sowjetunion steht: „Viele 10 Millionen Menschen werden in diesem Gebiet überflüssig und werden sterben müssen.“ Insbesondere die Einwohner der Großstädte „werden größter Hungersnot entgegensehen“. Göring erläuterte das Konzept so: „In diesem Jahr werden 20 bis 30 Millionen Menschen in Russland verhungern. Bestimmte Völker müssen dezimiert werden.“

6. Juni: Das Oberkommando der Wehrmacht übermittelt den Führungsoffizieren diesen Befehl: „Im Kampf gegen den Bolschewismus“ gelten die „Grundsätze der Menschlichkeit und des Völkerrechts“ nicht. Gefangene sowjetische Kommissare sind „sofort mit der Waffe zu erledigen“.

Am 20. Juni schwört Alfred Rosenberg, der designierte Minister für die eroberten sowjetischen Gebiete, seine Mitarbeiter auf diese Ziele ein: Die Ukraine solle „nach Westen gerichtet“ und „Moskowien“ „nach Osten“ in den „sibirischen Raum“ abgedrängt werden. Das erfordere „starke Charaktere“ und stehe „außerhalb jeden Gefühls“.

Zwei Tage später fielen drei Millionen deutsche Soldaten in die Sowjetunion ein, es folgten Millionen weitere Landser mit Tanks, Bomben, Kanonen, Vergasungswagen und Erschießungskommandos. Am Ende waren 27 Millionen sowjetische Männer, Frauen und Kinder von Deutschen getötet und viele zehn Millionen in tiefes Unglück gestürzt worden. Daran will der Deutsche Bundestag und wollen viele Deutsche bis heute nicht erinnern.

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