9. November 1989: So haben unsere Leser den Mauerfall erlebt

Vor 28 Jahren ist die Mauer gefallen - ein Tag, der die Welt, vor allem aber auch Berlin verändert hat. Wir haben unsere Leser auf Facebook gefragt: Wo waren Sie, als die Mauer gefallen ist? Das sind Ihre Antworten:

Endlich wieder Freunde sehen

Hab das Zuhause verfolgt, und Tränen kamen, aber Tränen der Freude, und zwar bei der ganzen Familie, weil nun unsere Freunde aus Riesa endlich bald kommen durften. Weihnachten/Sylvester war es so weit. Seit 1980 hält diese Freundschaft. (Nils Niederschlag)

Viele glauben nicht an eine dauerhafte Öffnung

Hab ab 21.00 Uhr alle Autos betankt, die von Magdeburg kommend nach Potsdam und Berlin düsten. Es war einfach unfassbar, was in dieser Nacht in/mit den Menschen los war. Morgens um 6.00 Uhr kam die Ablösung. 

An so vielen Arbeitsplätzen fehlten stellenweise mehr als 50% der Werktätigen/Belegschaft. Viele unserer Nacht-Kunden glaubten nicht an eine dauerhafte Öffnung und waren mit mehr als nur ihrem Auto unterwegs.

Und es gab Menschen in der Nacht, die da schon die Existenz der aktuellen Währung anzweifelten und ihre "Ostmark" weggeworfen haben.
Wir waren sehr bemüht, das Geld wieder ein- und aufzusammeln.

Übrigens fehlte in dieser Nacht jegliche Spur von Ordnungshütern in der Stadt. Sie waren unsichtbar geworden. (Ralf-Peter Oberüber)

Mode und Mauer

In Frankfurt/Main auf einer MODESCHAU, witzig, dass man sich genau erinnert. Die Schau wurde unterbrochen und der Sprecher sagte: "die Mauer ist gefallen" (Brigitte Daun-Hartmond)

Far away in Amerika

Am Flughafen San Francisco, wo mir eine Frau um den Hals fiel und begeistert meinte, dass ich jetzt meine Familie wieder treffen könne. Als ich ihr erklärte, ich hätte gar keine Familie in der DDR, war sie sichtlich beleidigt. (Irene Munzinger)

Tränen der Rührung

In München! meine Kollegin und Freundin aus Berlin saß den ganzen naechsten Arbeitstag mit Tränen in den Augen im Büro. Sie hat mich angesteckt. Wir in Muenchen gemeinsam die Wiedervereinigung gefeiert. (Karin Wegmann)

"Jette, die Mauer ist weg!"

An dem Abend im Bett, Vatern war auf Dienstreise und Muttern war mit dicker Erkältung ins Bett gegangen, auf die aktuelle Kamera hatte se keine Lust. Morgens zur Schule wie immer getippelt ... dann kamen wenige Klassenkameraden auf mich zugerannt und meinten: "Schule fällt aus .. ALLE Lehrer sind im Westen". War total erschrocken, denn der Nachsatz kam erst kurz danach: "Jette die Mauer ist weg!" (Henriette Suckert)

Experte in Oxford

Unterricht vorbereiten mit einer Kollegin in Oxford. Plötzlich kam ihr Partner zu uns und meinte, wir sollten uns die Nachrichten im TV ansehen. Am nächsten Tag rief meine Frau an und berichtete, unser Sohn hätte am Brandenburger Tor auf der Mauer gestanden. Im Rahmen eines Austauschprogramms war ich zu der Zeit an der Lord Williams's School in Thame. In den kommenden Wochen wurde ich einer der gefragtesten Gesprächspartner im Unterricht. (Norbert Gundacker)

Tränen der Freude

Ein unvergessener Moment als das im Fernsehen kam. Habe direkt an der Glienicker Brücke in Potsdam gewohnt und auf einmal konnte man da rüber gehen...es war nicht in Worte zu fassen das Gefühl damals. Es liefen eben nur die Tränen vor Freude..... (Kathrin Buchmann)

"Wo jeht's hier zum Ku'Damm?"

Im Slumberland am Winterfeldtplatz. Vereint vor der Theke. Die Biere flossen, wurden weitergereicht. Nicht mehr nüchtern, aber es wurde diskutiert. Der Satz, den ich behalten habe; "Ihr hattet doch ja keen richtjen Politunterricht. Darum wisst da doch och ja nich richtig Bescheid." 

Als ich später in der Nacht die Kneipe verließ, kam mir auf Ecke Winterfeldtstraße/Maaßenstraße aus dem Dunkeln ein Pärchen entgegen: "Wo jehtsen hier zum Kudamm?" War 20 Minuten zu Fuß entfernt. (Eberhard Koch)

Für verrückt erklärt

In München im Krankenhaus wo ich mit Tränen in den Augen meinem Mann erzählte die Grenze ist offen und er mich zuerst für verrückt erklärte (Michaela Petzold)

Der blaue Perso

Bin spät abends im Bahnhof Friedrichstraße von der U6 in die S3 Richtung Zoo umgestiegen, als die S-Bahn plötzlich voll wurde. Manfred wunderte sich, wo die denn jetzt herkommen - ich meinte, eine westdeutsche Schülerklasse vom Ostberlin-Besuch. Schnell zog einer von denen seinen Personalausweis, der war blau .... es wurde eine lange Nacht. (Sven Munzinger)