Berlin - Neulich hatte ich eine Zoom-Lesung mit einem Hamburger Gymnasium. Das Hamburger Gymnasium hat kein Wlan, die Schüler des Kurses saßen zu Hause in ihren Zimmern, ich stand im Schlafzimmer. Ich trug Hausschuhe und Lippenstift und hielt den Rechner so, dass man den Wäscheständer nicht sah. Ich las aus „Eisenkinder“ vor, meinem Buch über die Wendezeit. Während ich las, stellte sich ein seltsames Gefühl ein, das ich sonst von Lesungen nicht kannte. Die meisten Schüler hatten ihre Kameras abgeschaltet, ich sah keine Gesichter. Ich hatte kein Gefühl für die Atmosphäre im Raum. Es gab keinen gemeinsamen Raum. War noch jemand da? Oder hatten die Schüler alles abgeschaltet und schauten stattdessen Rezo auf Youtube?

Ich las eine Stelle vor, an der es um den 9.November 1989 ging. Ich habe den 9. November verschlafen. Und ich merkte, dass ich mich ein wenig schämte, dies den 15- und 16-Jährigen so zu sagen. Es klingt ein bisschen, als hätte ich vergessen, wann ich Geburtstag habe.

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