Ab September: Frankreich verbannt Handy, Tablet und Smartwatch aus Klassenzimmer

Die Zeiten, da Frankreichs Schüler ihrem Smartphone mehr Aufmerksamkeit schenken als dem Unterricht, sind ein für alle Mal vorbei. So will es jedenfalls der Gesetzgeber. Die Abgeordneten der Nationalversammlung haben in letzter Lesung ein Gesetz verabschiedet, das den Handy-Gebrauch auf dem Schulgelände untersagt. Smartwatches und Tablets fallen ebenfalls darunter.

Am 1. September tritt die von Staatschef Emmanuel Macron im Wahlkampf versprochene Neuerung in Kraft. Betroffen sind Vorschulen, Grundschulen und Sekundarschulen. An Gymnasien, wo Abgänger der Sekundarschulen nach drei weiteren Jahren (10. bis 12. Schuljahr) das Abitur machen können, ist es dem Rektorat überlassen, ob es ein Verbot aussprechen will oder nicht. 

Bildungsminister Jean-Michel Blanquer erhofft sich mehr Konzentration im Unterricht sowie gesundheitlichen Nutzen, sei es für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen doch von Vorteil, wenn sie weniger auf den Handybildschirm starrten. Laut der bisher letzten, von 2016 stammenden einschlägigen Erhebung besaßen 93 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren ein Handy; 63 Prozent der 11- bis 14-Jährigen waren bei einem sozialen Netzwerk angemeldet.
Die Opposition hat sich in der Nationalversammlung der Stimme enthalten. Konservative Republikaner, Sozialisten, Linkspopulisten von La France Insoumise (Unbeugsames Frankreich) und Kommunisten werfen der Regierung vor, mit der Verabschiedung des Gesetzes eine Show abzuziehen. Für den Schulalltag habe die Neuerung keinerlei Bedeutung, versichern die Kritiker. Der Griff zum Handy im Klassenzimmer sei bereits seit Jahren untersagt. 

Umsetzung in der Praxis noch unklar

In der Tat gibt es seit 2010 eine Verwaltungsvorschrift, die den Gebrauch des Handys während des Unterrichts verbietet. Aus Sicht der Regierung galt es allerdings nachzulegen. Zum einen wollte sie das Verbot mit der Verabschiedung eines Gesetzes auf eine solidere Rechtsgrundlage stellen, die Schulleitern bei Zuwiderhandlungen Sanktionen wie die Beschlagnahme eines Handys erlaubt. Zum anderen ging der Regierung die Regelung nicht weit genug. Flure, Kantinen, Pausenhöfe oder auch ein außerhalb des Schulgeländes liegender Sportplatz waren davon nicht betroffen. 

Das neue Gesetz hat die Lücke nun geschlossen. Eltern- und Lehrerverbände applaudieren. Sie erhoffen sich von der Neuerung nicht nur weniger Ablenkung im Schulalltag, sondern auch weniger Konflikte um zerstörte oder verloren gegangene Mobiltelefone sowie weniger Cyber-Mobbing. Begrüßt wird auch, dass das Betrachten nicht jugendfreier Videos auf dem Pausenhof ein Ende haben dürfte.
Wie die Schulen das Verbot umsetzen, ist weitgehend ihnen überlassen. Eine Anregung des Erziehungsministers, Schließfächer einzurichten, in denen das Unerwünschte bis zum Verlassen des Schulhauses verwahrt wird, hat in Rektorenkreisen wenig Begeisterung ausgelöst.

„Sollen wir künftig jeden Schüler zehn Minuten lang filzen, um sicherzugehen, dass sein Handy ins Schließfach wandert?“, fragt ein Schulleiter. „Und wo sollen bei unseren beengten Raumverhältnissen so viele Schließfächer Platz finden?“ Im Ergebnis werden die nun gesetzlich verbannten Geräte wohl doch den Weg ins Klassenzimmer finden – irgendwo ganz unten in der Schultasche verstaut und hoffentlich ausgeschaltet.