Berlin - Eine Wahl hat viele Sieger und Verlierer, wobei bei einem tieferen Blick auf die Berliner Wahlergebnisse oft gar nicht so klar ist, wer wirklich gewonnen oder verloren hat. Diese Probleme hat Mario Czaja nicht: Er hat gewonnen, ganz klar. 

Schon 2006 kürte ihn die Berliner Zeitung zum „Wahlsieger“ der Berliner CDU, als er den Abgeordnetenhauswahlkreis Kaulsdorf/Mahlsdorf, in dem er bis heute wohnt, gewann. Als einziger Christdemokrat im Berliner Osten. Jetzt ist dem mittlerweile 46-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf ein noch beeindruckenderes Husarenstück gelungen: Er hat erstmals für die CDU den deutlich größeren Bundestagswahlkreis mit seinen Plattenbauvierteln gewonnen. Gegen die Dauersiegerin Petra Pau von der Dauersiegerpartei Die Linke.

Rechnet man noch die drei von sechs Abgeordnetenhauswahlkreisen in Marzahn-Hellersdorf sowie zwei weitere Kreise im benachbarten Lichtenberg und eine Mehrheit in der BVV Marzahn-Hellersdorf für die CDU hinzu, könnte das der Beginn einer Zeitenwende sein: die CDU als echter Faktor im Osten, und Czaja als treibende Kraft.

Nun ist Erfolg im politischen Geschäft flüchtig. Das hat auch Mario Czaja erfahren, als er 2015/2016 als Sozialsenator an der Flüchtlingskrise scheiterte. Dass diese wohl auch von anderen kaum besser bewältigt worden wäre, wird gerne vergessen. Czaja galt als Versager. Eine Erzählung, die auch von der immer noch westlich dominierten Spitze seiner eigener Partei gepflegt wurde.

Über die Jahre hat sich Czaja abgenabelt von der Partei. Schon länger spielt er in der Abgeordnetenhausfraktion, der er noch angehört, kaum mehr eine Rolle. Stattdessen ist er seit drei Jahren ehrenamtlicher Präsident des Deutschen Roten Kreuzes Berlin. Das wäre wohl vielen verborgen geblieben, hätte nicht Corona gezeigt, wie wichtig Hilfsorganisationen sind. Das DRK organisierte und leitete die sechs Berliner Impfzentren. Czaja war ein vielgefragter Mann, wollte dieses Engagement aber stets von seinen politischen Ambitionen getrennt wissen. Aber zumindest mitdenken durfte man sie schon.