Die Abiturprüfungen sollen dieses Jahr stattfinden - trotz Corona-Krise.
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Die Olympischen Spiele werden verschoben, die Fußball-EM ebenfalls. Die Abiturprüfungen aber, das hat am Mittwoch die Kultusministerkonferenz beschlossen, sollen stattfinden. Für so viel Entschlussfreude war das Gremium, das als Keimzelle des föderalen Eigensinns gilt, gar nicht bekannt. Die bildungspolitischen Ländervertreter waren sich bei ihrer Entscheidung auch keineswegs einig. Karin Prien, die schleswig-holsteinische Kultusministerin, hatte vorgeschlagen, die Prüfungen abzusagen. Stattdessen sprach sie von einem Anerkennungsabitur ohne Abschlussprüfungen, ein Notabitur wie in Kriegszeiten. Nun aber steht fest: Die Abiturprüfungen sollen wie geplant stattfinden. Sie werden zum geplanten oder zu einem Nachholtermin bis zum Ende des Schuljahres abgehalten, „soweit dies aus Infektionsschutzgründen zulässig ist“.

Der Beschluss markiert wie viele andere Entscheidungen die gesellschaftliche Ausnahmesituation. Jeder Fall ist anders und verdient eine sachliche Auseinandersetzung. Die Einwände liegen auf der Hand. Die Schüler befinden sich in einer Stresssituation. Wie soll eine Vergleichbarkeit mit anderen Jahrgängen hergestellt werden? Es zeichnet sich ab, dass das Corona-Jahr in nahezu allen Bereichen eine tiefe Spuren hinterlassende Zäsur darstellen wird.

Gerade deshalb aber ist die Entscheidung, die Abiturprüfungen als besonderen Gradmesser für einen ganzen Schuljahrgang durchzuführen, auch ein Versuch des Beharrens auf Normalität. Über den Abschluss und dessen Bewertung entscheiden sich maßgeblich die Lebenswege junger Menschen. Der Abi-Jahrgang 2020 aber wird einmal für das Bedürfnis nach Einheitlichkeit und Zusammenhalt stehen.