London/Berlin - Dieses Bild wird bleiben: Die britische Königin sitzt mutterseelenallein und in sich zusammengesackt in der St.-George's-Kapelle auf Schloss Windsor. Niemand ist da, der ihr die Hand halten, sie in dieser schweren Stunde stützen kann. Es ist auch ein Sinnbild dieser Zeit, in der man pandemiebedingt auf Abstand gehen muss, selbst wenn die Situation körperliche Nähe dringend gebieten würde. Viele Briten, die an diesem Sonnabend interviewt werden, haben Tränen in den Augen. Und das liegt nicht nur daran, dass Prinz Philip an diesem strahlend sonnigen Tag mit einer bewegenden Zeremonie und militärischen Ehren beigesetzt wird. Das Land leidet mit der 94-jährigen Monarchin, können doch viele ihren Verlust nur allzu gut nachempfinden. Die Corona-Pandemie hat in Großbritannien viele Todesopfer gefordert – wie es ist, einen geliebten Menschen zu Grabe tragen zu müssen, diese leidvolle Erfahrung mussten in den zurückliegenden Monaten viele Briten machen.

73 Jahre waren Elizabeth II. und der Duke of Edinburgh verheiratet, mehr als acht Jahrzehnte kannten sie sich. Eine Lebensliebe, eine Lebensaufgabe. Philip, der am 9. April im Alter von 99 Jahren zu Hause in Windsor gestorben war, galt nicht nur als wichtigste und verlässlichste Stütze seiner Frau, er war auch ein Mann, der die Monarchie über Jahrzehnte mitgestaltet hat. Einer, der mit seiner Rustikalität eine Brücke schlug ins normale Volk, zu den Menschen außerhalb der Palastmauern. Wie beliebt er bei den Briten war, konnte man am Wochenende vielerorts beobachten. Trotz eindringlicher Appelle an die Bevölkerung, nicht nach Windsor zu kommen, säumten zahlreiche Menschen die Straßen der Stadt, um hinter Absperrungen die Ankunft der Trauergäste zu verfolgen. Die Zeremonie wurde von Fernsehsendern in aller Welt live übertragen. Der Kirchendekan von Windsor, David Conner, würdigte die Freundlichkeit, den Humor und die Menschlichkeit des Prinzen. Seine „unerschütterliche Loyalität zur Queen, sein Dienst an der Nation und dem Commonwealth, sein Mut, seine Kraft und sein Glaube“ seien eine Inspiration für alle.

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