In den Geschichtsbüchern der Zukunft wird man für das Jahr 2002 noch eine Zäsur eintragen müssen. Vorher war das Leben in Deutschland ruhig und beschaulich. Seither sitzt Jens Spahn aus Ahaus im Münsterland im deutschen Bundestag. Und spätestens seit März 2018, als der 37-Jährige zum Gesundheitsminister aufstieg, müssen zumindest politisch Interessierte eingestehen: Ohne den Christdemokraten wäre das Leben öde und sinnlos.

Beim Thema Abtreibung liegt Spahn diesmal nicht ganz falsch. Es geht um menschliches Leben. Und ein Schwangerschaftsabbruch ist kein Eingriff wie jeder andere. Sprachliche Gepflogenheiten lassen teilweise einen anderen Schluss zu. Da war zeitweilig von „Schwangerschaftsunterbrechung“ die Rede. Berühmt wurde der Satz: „Mein Bauch gehört mir.“

Kein Beitrag zur Debatte

Die einstige Familienministerin Kristina Schröder (CDU) hat Recht mit dem Hinweis, damit werde die „Wertekollision einfach komplett geleugnet“. Spahn macht es jetzt freilich anders rum. Er zieht einen Vergleich zum Tierschutz und spricht von „Werbung“ für Abtreibung, obwohl es sich im landläufigen Sinne nicht um Werbung handelt. Würde er weniger an der Wort-Schraube drehen, wäre es ein Beitrag zur Debatte. So kaum.

Den Streit um die „Ehe für alle“ hat Spahn übrigens linke und liberale Homosexuelle ausfechten lassen. Alles andere hätte sein konservatives Profil beschädigt. Geheiratet hat er dennoch. Ohne Scham.