Köln - Weil Aimee Valentina Schneider ihrer Großcousine bei Facebook angeboten hatte, in den USA gelegentlich auf ihre zwei Kinder aufzupassen, wird das Visum der jungen Deutschen am Flughafen in Philadelphia nach stundenlanger Befragung abgelehnt. Aimee wird vorgeworfen, unangemeldet als Au Pair arbeiten zu wollen. Die 19-Jährige wird in den nächsten Flieger zurück nach Deutschland gesetzt. Das harte Vorgehen der Beamten und die minutiöse Kontrolle am Flughafen lassen viele Fragen für US-Reisende offen.

Nach welchen Kriterien wird kontrolliert und wie mache ich mich verdächtig?

2003 hat das FBI die Terrorist Screening Database eingeführt, die auch als „Terrorist Watch List“ bekannt ist. Diese Datenbank ist noch einmal unterteilt in die No Fly-List und die Selectee List. Auf der No Fly-List landen Personen, denen Verbindungen zu nicht näher definierten „Terroristen“ nachgesagt werden. Wer auf der Selectee List steht, wird bei der Einreise in die USA besonders intensiv befragt und überprüft.

Die Gründe, wie Personen auf diese Liste geraten, sind jedoch ebenso schleierhaft, wie die Behörden und Organisationen, die Namen auf diese Liste setzen dürfen. In jedem Fall ist es leichter auf so eine Liste zu kommen als wieder herunter. In der Selectee List tauchen nicht nur deutsche, sondern auch US-Bürger auf.

Kann ich mich nach einer Abweisung vor Gericht verteidigen?

Die amerikanische Dokumentarfilmerin Laura Poitras ist nach eigenen Angaben in den vergangenen sechs Jahren mehr als 50 Mal bei der Einreise am Flughafen festgesetzt und intensiv befragt worden. Poitras hatte sich unter anderem mit dem Porträt „Citizenfour“ über Whistleblower und Edward Snowden bei der US-Regierung unbeliebt gemacht. Da sie für die unliebsame Behandlung nie eine Begründung erhielt, kündigte sie Mitte Juli eine Klage vor Gericht an. Eine solche Möglichkeit haben bislang aber nur Bürger aus den USA.

Gibt es ähnliche Fälle von unverhältnismäßig strengen Kontrollen?

Auch die Frankfurterin Linda de Vos hatte im Frühjahr 2014 am Frankfurter Flughafen die Ausreise verweigert bekommen, obwohl ihr zuvor eine ESTA-Genehmigung erteilt worden war. Auch ein Visum bekam die 68-jährige Frankfurterin zunächst nicht. Als Begründung erfuhr sie unter der Hand von einem Konsulatsmitarbeiter, sie habe ja im Jahr 1968 an der Besetzung des Amerika-Hauses in München teilgenommen.

Mit etwa einjähriger Verspätung erhielt de Vos dann doch noch ein Visum. Nach der Landung in New York wurde sie - wie auch Aimee Valentina Schneider - aus der Schlange gebeten und in einem separaten Raum verhört. „Der Beamte hat sich echauffiert und mir vorgeworfen, ich hätte damals gegen die USA demonstriert.“ Zum Schluss entließ der Grenzbeamte de Vos ihren Angaben zufolge sinngemäß mit folgendem Satz: „Ich lasse Sie jetzt rein, aber ob sie nochmal reingelassen werden, kann ich nicht garantieren.“ Gut möglich, dass Schneider bei einer erneuten Einreise ähnliches blühen könnte.

Wie viele Deutsche reisen jährlich in die USA?

Wer Zahlen zum Thema USA-Reisen sucht, verzweifelt früher oder später. Das Statistische Bundesamt winkt ab. „Die Zahlen sind einfach so schlecht, dass wir sie nicht veröffentlichen“, verrät eine Referentin der Behörde. Die Erhebungen seien einfach zu klein. Das Auswärtige Amt kann auch keine Angaben machen und verweist auf das Statistische Jahrbuch der USA.

Das Generalkonsulat der USA in Frankfurt erklärt schließlich auf hartnäckige Nachfrage, dass „Deutsche fast zwei Millionen mal die USA in jedem Jahr besuchen“, allerdings verrät diese Formulierung, dass darin viele Mehrfachreisende erfasst sind. Die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) geht von 1,1 Millionen deutschen USA-Reisenden im Jahr aus. Allerdings befragt die FUR für diese Hochrechnung nur 7500 Haushalte in Deutschland.

Wie vielen Touristen wird die Einreise jährlich verweigert?

Das Generalkonsulat in Frankfurt windet sich auch hier, will nochmal Rücksprache mit den Kollegen in Washington halten und ringt sich schließlich zu der Formulierung durch, wonach „nur einer extrem kleinen Zahl die Einreise an der Grenze verweigert“ werde. Das Auswärtige Amt will gar nichts sagen.

Die Linke im Bundestag hatte sich auch für den Sachverhalt interessiert und wollte Ende 2013 in einer kleinen Anfrage im Bundestag wissen, wie vielen Deutschen seit 2001 die Einreise verweigert wurde. Die Bundesregierung teilte Anfang 2014 mit, dass ihr nur Zahlen für das Jahr 2008 vorlägen. Die amerikanischen Behörden hätten im Januar 2009 eine Übersicht übermittelt, wonach 115 deutschen Staatsangehörigen die Einreise „wegen eines kriminellen oder staatsschutzrelevanten Hintergrunds verweigert wurde“.

Entweder sind Fälle wie die von Aimee Valentina Schneider in dieser Zahl nicht erfasst oder die Begründungen für die Ablehnungen sind hanebüchen.