Mit einem Online-Tutorial geht manches leichter ... 
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BerlinExperten sehen in der älteren Bevölkerung in Deutschland eine starke „digitale Spaltung“. „Der Zugang zu und die Nutzung von digitalen Angeboten sind innerhalb der Gruppe der älteren Menschen je nach Bildungsstand und Einkommen ungleich verteilt – deutlich ungleicher als zwischen jüngeren Menschen“, heißt es im Achten Altersbericht für die Bundesregierung, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Die Sachverständigenkommission, die den Bericht erstellt hat, fordert die Bundesregierung auf, dem Thema Alter in ihrer Digitalstrategie „weit mehr Gewicht als bisher beizumessen“. In jeder Wahlperiode wird ein solcher Altersbericht einmal erstellt, jeweils mit einem bestimmten Schwerpunktthema. Man werde die Empfehlungen aufnehmen und umsetzen, sagte Familienministerin Franziska Giffey (SPD) am Mittwoch. „Es geht nicht nur um das Skypen mit den Enkelkindern oder Einkaufen übers Internet.“ Es gehe um echte Teilhabe.

Die Sachverständigen sprechen sich konkret für einen Internetzugang für alle Wohnformen älterer Menschen sowie kostenfreies Internet im öffentlichen Raum aus. Im Bedarfsfall sollten ältere Menschen bei der Anschaffung digitaler Technik staatlich unterstützt werden. Der Leiter der Altersberichtskommission, Andreas Kruse, sprach von einem „Grundrecht“ und von „digitaler Daseinsvorsorge“. Die Corona-Krise habe gezeigt, wie wichtig eine gute digitale Ausstattung sei. Giffey regte an, dass auf kommunaler Ebene bei Bildungsangeboten oder Seniorentreffs das Thema Digitalisierung eine stärkere Rolle spielen sollte. Statt „Tanztee, Skat und Kaffee“ könne es auch einmal darum gehen, wie ein Zug oder ein Bürgeramtstermin über das Internet gebucht werde.

Auch Ex-SPD-Chef Franz Müntefering, der seit 2015 Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen ist, nahm zum neuen Altersbericht Stellung. Ältere Menschen, die bisher nicht viel mit der Technik zu tun hatten, erreiche man bei dem Thema seiner Ansicht nach nicht „per Direktive von oben“, sondern nur auf lokaler Ebene in kleinen Runden. Im Laufe der Corona-Pandemie hat sich für viele ältere Menschen das Bild von der Digitalisierung bereits gewandelt, ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom vom Juli 2020. Zwei von fünf Bundesbürgern ab 65 Jahren (40 Prozent) sagen, dass sie der Digitalisierung seitdem positiver gegenüberstehen. Ein Viertel der Senioren (23 Prozent) sieht die Digitalisierung hingegen negativer. (dpa)