Berlin - Heute müssen wir alle wieder sehr tapfer sein. Die Ministerpräsidenten diskutieren mit der Kanzlerin über neue alte Corona-Maßnahmen. Die Länge der Diskussion wird dabei wie immer im umgekehrten Verhältnis zur Qualität des Ergebnisses der Gespräche stehen. Wir kennen das bereits. Trotzdem werden wir wieder stoisch auf die Pressekonferenz mit Kanzlerin, Regierendem Bürgermeister und bayerischem Ministerpräsidenten warten. Wir machen das halt so in Deutschland. Ist ja immerhin eine kleine Ablenkung beim monatelangen Warten auf den Impftermin.

Werden wir von der Kanzlerin wieder ein hübsches Schaubild präsentiert bekommen, mit Öffnungsschritten, die niemals eintreten werden? Wird die Notbremse, die beim letzten Mal präsentiert wurde, ebenso in die Tonne getreten werden wie die berühmte 35er-Inzidenz als Maßstab für Lockerungen? Wird Olaf Scholz wieder schlumpfig grinsen?

Die Beteiligten werden jedenfalls wieder alles geben. Wie immer wurde am Tag zuvor die Kampfaufstellung bekannt, indem die zugehörigen Papiere verlässlich durchgestochen wurden. Daraus ist ersichtlich, dass die Kanzlerin die Notbremse ziehen möchte, die beim letzten Gipfel ins Spiel gebracht wurde. So war es abgesprochen, wenn die Inzidenz über 100 steigt. Womit ziemlich sicher ist, dass es so also schon mal nicht kommen wird.

Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, machte am Sonntag in der Talkshow von Anne Will klar, wie die SPD-Länder das mit der Bremse wohl verstehen: Nicht weiter Gas geben ist doch irgendwie auch bremsen, oder? Schwesig erklärte jedenfalls, dass die Lehrerinnen und Lehrer, die sich infizieren, das sicherlich nicht in der Schule tun. Weshalb man die dann ruhig auch offen halten kann. Ihr Parteifreund Karl Lauterbach, der am Sonntag mal Interview-frei genommen hatte, raufte sich da vermutlich die Haare.

Aber Schwesigs Einlassung klang auch nicht absurder als die Diskussionsbeiträge des FDP-Politikers Wolfgang Kubicki. Er erklärte die steigende Inzidenz kurz und bündig mit der gestiegenen Zahl von Tests. Das ist selbst für Kubicki ein neues Maß an Chuzpe.

Dritte Corona-Welle: Es gibt es nur zwei Lösungen – beide scheiden aus

Klar ist angesichts der rollenden dritten Welle, dass es nur zwei vernünftige Möglichkeiten gibt, um zu verhindern, dass sich die Intensivstationen wieder füllen: Entweder es wird konsequent schnell und umfassend geimpft, oder wir gehen wieder in den Lockdown.

So – und nun der Spoiler: Weil Plan 1 mangels Masse ausscheidet und Plan 2 irgendwie unattraktiv wirkt, werden sich die Länderchefs auf folgende Lösung einigen: Testen, testen, testen! Das klingt wenigstens ein bisschen wie impfen, impfen, impfen und damit nach Hoffnung. Schade, dass man mit den Tests eine Situation nur genauer beschreibt, aber nun mal nicht wesentlich ändert.

Die dritte Welle wird also weiter rollen. Vielleicht wird sie noch ein bisschen befeuert von den Mallorca-Rückkehrern, die nun zu Hunderten auf die Insel stürmen, weil die Regierung die glorreiche Idee hatte, die Reisewarnung aufzuheben.

Wir anderen, die es können, bleiben weiter im Homeoffice, versuchen, nicht noch dicker zu werden, und warten dann auf den nächsten Bund-Länder-Gipfel. Der soll am 12. April stattfinden. Es geht eben immer irgendwie weiter.