Nach der Schießerei mit der Polizei während der Zwangsräumung seines Hauses in Reuden (Sachsen-Anhalt) ist gegen den ehemaligen „Mister Germany“ Adrian Ursache Anklage wegen versuchten Mordes erhoben worden. Die Anklageschrift ist beim Landgericht Halle eingegangen, teilte Sprecher Wolfgang Ehm am Mittwoch mit.

Der Vorwurf gegen den 42-Jährigen lautet auf versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sowie Verstößen gegen das Waffengesetz.

Zwangsräumung endet in Schießerei

Bei der Zwangsräumung des ehemaligen Hauses von Ursache in Reuden im Landkreis Anhalt-Bitterfeld war es am 25. August vergangenen Jahres zu einer Schießerei gekommen. Dabei soll er das Feuer auf einen Polizisten eröffnet haben.

Das Geschoss, so die Anklage der Staatsanwaltschaft, traf den Beamten am Hals und hinterließ dort eine Schürfwunde. Nur dank Schutzausrüstung des Polizisten sei es nicht zu einer tödlichen Verletzung gekommen.

Dass der Vorwurf gegen Adrian Ursache nicht auf versuchten Totschlag, sondern auf versuchten Mord lautet, begründet die Staatsanwaltschaft mit der „willkürlichen Auswahl seines Opfers, durch die er dieses zum bloßen Objekt degradiert habe“. Demnach sei das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe erfüllt.

Ursache und sein Verteidiger haben nun bis Ende April Gelegenheit, sich zu den Tatvorwürfen zu äußern. Dann werde die zuständige 1. Strafkammer des Landgerichts Halle prüfen, ob sich anhand der Ermittlungsergebnisse ein hinreichender Tatverdacht ergibt und das Hauptverfahren zu eröffnen sei.

Weitere Einzelheiten, insbesondere ob und gegebenenfalls wann es zu einer Hauptverhandlung kommt, ist laut dem Landgericht Halle zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht absehbar.

Adrian Ursache bei Schießerei schwer verletzt

Ursache hatten auf seinem Grundstück en Fantasiestaat „Königreich Ur“ ausgerufen. Weil er einen Schuldenberg in sechsstelliger Höhe angehäuft hatte, stand im August 2016 die Zwangsvollstreckung seines Hauses an.

Nachdem er einen Gerichtsvollzieher den Zutritt verweigerte, stürmte einen Tag darauf die Polizei das Grundstück. Ursache feuerte auf SEK-Beamte, und wurde dabei selbst so schwer verletzt, dass er nach Aussage eines Sprechers der Leipziger Universitätsklinik zeitweise in Lebensgefahr schwebte.  Ursache lag zunächst auf der Intensivstation der Klinik, später über Monate im Haftkrankenhaus der JVA Leipzig.

Seitdem verbüßt der Ex-Schönheitskönig in Halle eine Ersatzfreiheitsstrafe. Der Verfassungsschutz rechnet den 42-Jährigen der Reichbürgerbewegung zu, er leugnet die Existenz der Bundesrepublik. „Reichsbürger“ erkennen die staatliche Ordnung in Deutschland und folglich auch Entscheidungen wie Gerichtsurteile oder Steuerforderungen nicht an. Sie behaupten, das Deutsche Reich bestehe bis heute fort. (red)