Kairo - Nach dem Doppenanschlag an Palmsonntag in Ägypten hat der Präsident nun einen dreimonatigen Ausnahmezustand verhängt.

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat die Anschläge in Ägypten für sich reklamiert. Die Explosionen in Tanta und Alexandria mit Dutzenden Toten seien von den Dschihadisten verursacht worden, berichtete das IS-Sprachrohr Amak am Sonntag. Die Mitteilung konnte zunächst nicht unabhängig auf Echtheit untersucht werden.

Bei einem der tödlichsten Anschläge auf die christliche Minderheit Ägyptens in den vergangenen Jahren sind mindestens 25 Menschen getötet worden. 78 Menschen wurden am Palmsonntag durch die Explosion in der koptischen Kirche St. Georg in der nordägyptischen Stadt Tanta verletzt, wie das Gesundheitsministerium der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Regierung spricht von Terror

Die staatliche Nachrichtenseite Al-Ahram zitierte Augenzeugen, wonach sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt haben soll.

Die ägyptische Regierung sprach von Terror: „Der Terrorismus trifft Ägypten erneut, dieses Mal an Palmsonntag“, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Ahmed Abu Seid, auf Twitter. Es sei eine weitere widerwärtige Tat gegen alle Ägypter. Im Internet kursierende und im Fernsehen ausgestrahlte Videos zeigten einen blutverschmierten Boden.

Zweite Explosion in Alexandria

An dem christlichen Feiertag war die Kirche zur Messe gut besucht. St. Georg ist dem Staatsfernsehen zufolge das größte christliche Gotteshaus der Region im Nildelta. Sicherheitskräfte hätten den Tatort weitgehend abgesperrt. Tanta hat mehrere Hunderttausend Einwohner und liegt etwa 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kairo.

Das Staatsfernsehen berichtete außerdem über eine weitere Explosion nahe einer Kirche in Alexandria. Außerhalb einer koptisch-christlichen Kirche sei am Palmsonntag ein Sprengsatz explodiert. Laut Gesundheitsministerium sind dabei 16 Menschen getötet und 41 Menschen verletzt worden.

Die staatliche Zeitung „Al-Ahram“ berichtete, die Explosion außerhalb des koptischen Gotteshauses St. Markus sei durch einen Selbstmordattentäter verursacht worden, der zuvor am Einlass in die Kirche gehindert worden sei.

Es kommt immer wieder zu Spannungen zwischen Christen und Muslimen

Christen machen in Ägypten zehn Prozent der etwa 94 Millionen Einwohner aus. Sie können ihre Religion weitgehend frei ausüben und leben größtenteils friedlich mit der muslimischen Bevölkerungsmehrheit zusammen. Es gibt allerdings vereinzelt Spannungen, vor allem in den ländlichen Gebieten.

Bei einem schweren Bombenanschlag auf eine Kirche im Dezember in Kairo waren fast 30 Menschen getötet worden. Damals bekannte sich die Terrormiliz IS zu der Tat. Ein Ableger des Islamischen Staates treibt im Nordsinai in Ägypten sein Unwesen und kündigte in Propagandavideos Angriffe auf Christen an.

Im Februar flohen Hunderte ägyptische Christen aus dem Norden der unruhigen Sinai-Halbinsel. Vorangegangen war eine Mordserie an Mitgliedern der religiösen Minderheit, hinter der die Terrormiliz IS vermutet wurde.
Mit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi 2013 hatten die Angriffe gegen Christen in dem Land zeitweise zugenommen. Unter Mursis Nachfolger, dem autoritären Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi, beruhigte sich die Lage wieder etwas. Für Ende April ist der Besuch von Papst Franziskus in Kairo angekündigt. (afp/dpa)