"Hast du meinen Brief nicht bekommen?" fragte mich meine Großmutter ein paar Tage nach meinem Geburtstag. Eine Frage, die ich danach noch öfter hören sollte – meine Schwiegereltern stellten sie mir, meine Schwester auch. Mehrere Briefe aus verschiedenen Regionen Deutschlands fanden nicht den Weg in meinen Berliner Briefkasten.

Besonders ärgerlich: Meine Großmutter hatte Geld in den Briefumschlag gelegt. Früher schien das ohne Probleme zu funktionieren. Mittlerweile gehört die Regel "Kein Geld per Brief verschicken" leider zum Einmaleins des Postwesens.

Jeden Tag befördert die Deutsche Post 64 Millionen Briefe in Deutschland. Dass bei dieser Menge einige abhanden kommen, verwundert nicht. Wie viele es genau sind, verrät die Post nicht. "Ich bitte um Ihr Verständnis, dass wir zu solchen wettbewerbsrelevanten Zahlen keine Aussagen treffen", antwortet eine Post-Sprecherin auf die Frage, wie viele Nachforschungsaufträge erteilt werden.

Bei mir sind mindestens drei Briefe abhanden gekommen. Da es sich um - wohl hochwertiger aussehende - Geburtstagsbriefe handelt, vermute ich ein gezieltes Aussortieren irgendwo zwischen Absendeort und meinem Briefkasten. Erst im Februar ist in Brandenburg ein Briefträger zu einer Gefämgnisstrafe verurteilt worden, weil er über 1300 Sendungen verschwinden ließ.

War der Mann vielleicht kein Einzelfall? Reich wird man als Post-Mitarbeiter jedenfalls nicht. Das Einstiegsgehalt von Briefträgern liegt bei weniger als 2000 Euro brutto im Monat – bei größer werdenden Zustellbezirken und steigender Arbeitsbelastung. In Berlin radeln die Zusteller schon mal mit voll gepacktem Fahrrad und zusätzlichem Anhänger durch die Straßen, um die Briefmengen zu bewältigen.

Unbekannte Sendungen lagern in Marburg

Hat jemand meine Briefe direkt aus den Taschen am Postfahrrad gestohlen? Oder aus meinem Briefkasten? Vielleicht liegen sie aber auch noch irgendwo in einem Post-Verteilzentrum. Also erkundige ich mich, was man in so einem Fall tun kann.

Dass ich mit meinem Problem nicht allein bin, merke ich spätestens beim Blick auf die Post-Internetseite. Dort gibt es einen eigens eingerichteten Service-Bereich zur Brief-Nachforschung. In ein Formular soll ich eintragen, wann und wo der Brief eingeworfen wurde. Danach bleibt nur Abwarten.

Die Brief-Nachverfolgung funktioniert so: Alle nicht zustellbaren Briefe werden im hessischen Marburg gesammelt. Offenbar schreiben viele Menschen falsche Adressen auf ihre Briefe und vergessen zudem den Absender. Passen die Daten aus dem Nachforschungsauftrag zu einer in Marburg gestrandeten Sendung, wird sie an den richtigen Empfänger verschickt. In meinem Fall ist das Hoffen vergebens, eine Antwort auf meine Online-Anfrage erhalte ich nie.

Die Suche nach meinen Geburtstagsbriefen geht weiter. Nun versuche ich es persönlich in der Post-Filiale um die Ecke. "Bei mir sind mehrere Briefe nicht angekommen", teile ich der Angestellten mit. "Da ich kann ich leider nichts machen", ist ihre Antwort. Die Zusteller bekomme sie selbst nicht zu Gesicht, weil diese ihre Fahrräder und Handwagen im Verteilzentrum beladen.

Immerhin: Auch in der Post-Filiale bin ich nicht der Erste, der sich über nicht ankommende Briefe beschwert. Die Post-Angestellte überreicht mir ein kleines Kärtchen mit einer Service-Telefonnummer für verloren gegangene Sendungen.

Nachdem ich über die Online-Nachverfolgung keinen Erfolg hatte und auch das persönliche Vorsprechen nichts brachte, bleibt noch der Griff zum Telefon. Der Mann am anderen Ende der Leitung ist freundlich und hilfsbereit. Er notiert meine Adresse und will wissen, wo die Briefe abgeschickt wurden. Meine Beschwerde werde er an den zuständigen Bereichsleiter weiterleiten, erklärt er. "Meldet sich dann jemand bei mir?" frage ich. "Nein, da gibt es keine Rückmeldung." Um Neuigkeiten zu erfahren, müsste ich mich selbst wieder melden. Darauf verzichte ich und gehe davon aus, dass die Post meinen Brief verschickt, sollte er gefunden werden.

Meine kleine Odyssee durch den Briefe-Nachverfolgungsdschungel endet jedoch ohne Erfolg. Die Geburtstagskarten bleiben verschollen. Immerhin erhalte ich in den nächsten Tagen wieder Post. Geburtstagskarten sind nicht dabei. Es sind Rechnungen.

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