AfD-Politike Alexander Gauland.
Foto: dpa/Gregor Fischer

BerlinEs wird spannend, wenn die AfD am Samstag einen neuen Bundesvorstand wählt. Denn Alexander Gauland, der den „gärigen Haufen“ AfD seit Jahren erfolgreich zusammenhält, will sich aus der Parteispitze zurückziehen.

Dies sei bei einem Krisentreffen der Parteispitze am Dienstag beschlossen worden, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ am Mittwoch auf ihrer Internetseite. Die Runde habe zugleich vereinbart, dass der sächsische AfD-Politiker Tino Chrupalla sich zur Wahl stellt. Chrupalla hatte seine Kandidatur am Mittwoch dem „Spiegel“ bestätigt.

AfD-Chef Alexander Gauland ist nach eigenen Angaben bei der bevorstehenden Wahl zum Parteivorsitz für alle Kandidaten offen. „Ich will gar niemanden verhindern“, sagte Gauland am Freitagmorgen im Deutschlandfunk. Gauland selbst wird voraussichtlich nicht mehr für einen Posten im Bundesvorstand kandidieren, will sich seine Aufstellung aber bis zuletzt offen halten. Für seine Last-Minute-Kandidatur sind nach Aussage des 78-Jährigen „mehrere Konstellationen denkbar“. Zum Beispiel, dass keiner „der Kandidaten eine Mehrheit bekommt.“


Laut dem „FAZ“-Bericht kamen die Teilnehmer des Krisentreffens am Dienstag überein, dass Chrupalla gute Chancen habe, gewählt zu werden. Demnach will die rechte Strömung „Der Flügel“, der Chrupalla nicht angehört, mit großer Mehrheit für ihn stimmen.

Junge Alternative unterstützt Tino Chrupalla

Tino Chrupalla (44) war eine Zeit lang kaum aufzuhalten. Bei der Bundestagswahl 2017 jagte der Malermeister dem heutigen CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) in Görlitz das Direktmandat ab. Die Fraktion hat ihn im September als stellvertretenden Vorsitzenden im Amt bestätigt.

Zu Alexander Gauland hat Chrupalla einen guten Draht. Für den Familienvater aus Sachsen spricht auch, dass Jörg Meuthen (58) sagt, er könne sich eine Zusammenarbeit mit ihm gut vorstellen. Meuthen steht seit Juli 2015 an der Spitze der AfD - anfangs als Co-Vorsitzender neben Frauke Petry, seit zwei Jahren führt er die Partei zusammen mit Alexander Gauland. Seine Wiederwahl ziehen nur wenige AfD-Mitglieder ernsthaft in Zweifel.

Der Vorsitzende des AfD-Jugendverbands Junge Alternative, Damian Lohr, sprach sich am Mittwoch für Chrupalla aus. Dieser sei „ein pflichtbewusster, lockerer, integrer Typ, ein hervorragender Kandidat“, sagte er dem ARD-Hauptstadtstudio. Mit Meuthen „hat man einen westdeutschen Akademiker an der Spitze, da würde es ganz guttun, wenn man sagt: Wir als AfD nehmen auch den Osten mit.“

Curio und Höchst erwägen ebenfalls Kandidatur

Auch der innenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Gottfried Curio, hat seine Kandidatur für den Parteivorsitz angekündigt. Im Gegensatz zu Chrupalla verfügt Curio nicht über ein dichtes Netzwerk persönlicher Kontakte in der Partei. Anders als bei Chrupalla hat sich bislang auch keiner der bekannten Spitzenpolitiker der Partei hinter seine Kandidatur gestellt. Allerdings: Curio hat es durch seine stets im harten Stakkato vorgetragenen Bundestagsreden zu Migrationsthemen zu bundesweiter Bekanntheit gebracht. Von Anhängern der AfD wird der Physiker und Komponist dafür regelrecht gefeiert.

Die rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst erwägt ebenfalls eine Kandidatur. Die 49-Jährige aus Rheinland-Pfalz könnte Meuthen dieses Mal einige Stimmen abjagen. Die Bundestagsabgeordnete betont zwar ihre Unabhängigkeit. Hinter den Kulissen heißt es jedoch, etliche „Flügel“-Anhänger könnten ihr die Stimme geben, um Meuthen einen Denkzettel zu verpassen. Zu den Themen, mit denen sich die frühere Lehrerin als Abgeordnete beschäftigt, gehören Sexualaufklärung in der Schule und Digitalisierung im Bildungswesen.