Berlin - Mit dem Einzug in den Kieler Landtag sitzt die AfD nun in zwölf Landesparlamenten, allerdings kam sie bei der Wahl am Sonntag nur auf 5,9 Prozent und blieb damit hinter den eigenen Erwartungen zurück. Das hatte Spitzenkandidat Jörg Nobis noch am Wahlabend eingeräumt, dennoch ließ es sich die Parteiprominenz nicht nehmen, sich am Montag in Berlin einzufinden und ihm öffentlich zu seinem Wahlergebnis zu gratulieren.

Parteivize Alexander Gauland, Koparteichef Jörg Meuthen sowie die junge Politikerin Alice Weidel aus Baden-Württemberg, die die Partei gemeinsam mit Gauland als Spitzenteam in den Wahlkampf führt, zeigten sich bei ihrem gemeinsamen Auftritt betont einig, Weidel hatte Gauland zuvor mit einer Umarmung begrüßt.

Frauke Petry, immer noch die zweite Parteivorsitzende, die ursprünglich auch nach Berlin kommen sollte, nahm nicht teil – aus gesundheitlichen Gründen, wie Meuthen versicherte. Petry ist hochschwanger und erwartet demnächst ihr fünftes Kind. Im Vorfeld des Bundesparteitags in Köln Ende April war es zwischen ihr und der Partei zu schweren Differenzen gekommen, ein Leitantrag Petrys, in dem sie die AfD auf einen realpolitischen Kurs einschwören wollte, wurde erst gar nicht auf die Tagesordnung gesetzt.

Gauland verkündet das Ende der internen Machtkämpfe

„Wir sind stolz, die zwölfte Landtagswahl unter schwierigsten Bedingungen erfolgreich bestritten zu haben“, sagte Meuthen am Montag. Nobis, der 41 Jahre alte Chef der AfD im nördlichsten Bundesland, zeigte sich ebenfalls zufrieden, beklagte aber erneut den „sehr harten und unfairen Wahlkampf“. Veranstaltungen der AfD hätten, wenn überhaupt, nur unter extremem Polizeischutz stattfinden können, der Partei seien kaum Räume zur Verfügung gestellt worden. „Ich bin erschrocken über den Zustand der Demokratie“, sagte Nobis in Berlin und betonte, dass die AfD ein Gewinn für die Demokratie sei – eine Retourkutsche auf Äußerungen des Kieler SPD-Chefs Ralf Stegner im Wahlkampf.

Dass die AfD in Schleswig-Holstein unter ihren Möglichkeiten geblieben ist, räumte auch Alexander Gauland ein. „Wenn sich in einer Partei Menschen streiten, finden das die Wähler nicht sonderlich attraktiv“, sagte Gauland, eine sehr deutliche Anspielung auf die erbitterten Macht- und Flügelkämpfe, die die AfD vor dem Parteitag ausgetragen hatte. „Das ist aber seit Köln vorbei“, versicherte er. Zudem hätten sowohl bei der Landtagswahl im Saarland im März als auch jetzt in Schleswig-Holstein lokale Themen eine große Rolle gespielt.

„Wir sind die populistische Partei, und da bin ich stolz darauf“

Auch dass Bilder von Flüchtlingen im Mittelmeer aus dem Fernsehen verschwunden seien, machte Gauland für das derzeit eher mäßige Abschneiden der AfD mitverantwortlich. Er gehe aber davon aus, dass sich das bald wieder ändern werde. „Das Thema bleibt uns erhalten, da habe ich gar keine Sorge“, sagte Gauland.

Der Brandenburger Politiker, der lange Jahre in der CDU war, und AfD-Mitbegründer Meuthen gaben sich optimistisch, was das Abschneiden der AfD am kommenden Wochenende in Nordrhein-Westfalen und im Herbst bei der Bundestagswahl angeht. „Wir sind die populistische Partei, und da bin ich stolz darauf“, so Gauland. Er sei auch stolz, Deutscher zu sein, eine Kernkompetenz der AfD sei es, „das Deutschland zu bewahren, wie wir es von unseren Müttern und Vätern ererbt haben“.