Berlin - Als die Wahl Bodo Ramelows zum thüringischen Ministerpräsidenten vorüber war, war auch das öffentliche Interesse an der Landtagssitzung fürs Erste erlahmt. Die Wahl des 58-Jährigen zum ersten linken Regierungschef in Deutschland war schließlich der Höhepunkt dieses Freitags.

Meldungen vom Wochenende, wonach CDU-Fraktionschef Mike Mohring im Vorfeld mehrmals mit AfD-Fraktionschef Björn Höcke gesprochen habe, um das rot-rot-grüne Bündnis zu verhindern, und die auch innerparteilich auf Kritik gestoßen waren, lassen den Tag aber noch einmal in einem anderen Licht erscheinen. Denn da zeigte die AfD, wes Geistes Kind sie in Thüringen ist.

Zwischenruferin pathologisiert

Zunächst schritt Corinna Herold ans Pult. Die AfD-Frau forderte die Abschaffung des Gleichstellungsausschusses. Begründung: Gleichberechtigung von Männern und Frauen gebe es in Deutschland längst. Wenig später folgte Höcke, der während der Wahl Ramelows durch eine überwiegend respektlose Körpersprache signalisierte, wie sehr ihm das Ganze zuwider war. Seine Rede begann er dann sehr bewusst mit: „Liebe Kollegen“ – um nach einer gewollten Kunstpause hinzuzufügen: „und Kolleginnen“.

Ganz so, als sage er Letzteres nur unter dem Druck eines vermeintlich linken Zeitgeistes. Als es die ersten Zwischenrufe gab, erklärte der 42-Jährige aus Lünen in Westfalen, der jetzt im Eichsfeld lebt, wenig galant: „Halten Sie die Klappe!“ Eine Zwischenruferin beschied er in herrischem Ton gar mit den Worten, sie solle sich „einen guten Therapeuten“ suchen, habe also ein psychisches Problem.

„Halten Sie die Klappe!“

Höcke ist kein unbeschriebenes Blatt. Er gab Medien Interviews, die dem rechten Spektrum zugeordnet werden, lehnt Moscheen in Deutschland ebenso ab wie die Homoehe. Dass es Höcke schwer fällt, in einem Atemzug „Liebe Kolleginnen und Kollegen“ zu sagen, passt ebenfalls ins Bild, denn er glaubt: „Diese Geisteskrankheit namens Gendermainstream ist doch ein Sonntagskind der Dekadenz. Das muss man doch mal sagen dürfen.“

Experten ordnen den Vorsitzenden der AfD-Fraktion eindeutig dem rechten Flügel seiner Partei zu. Linksparteichef Bernd Riexinger beklagte daher, durch Gespräche mit der AfD mache die CDU Rechtspopulisten salonfähig.