Düsseldorf - Um neun Uhr am Dienstagmorgen standen Polizisten in Zivil und ein Staatsanwalt vor der Landesgeschäftsstelle der AfD. Drei Stunden lang durchstöberten die Ermittler Akten und Computer, kopierten und stellten Unterlagen sicher. Seit Jahresbeginn ermittelt die Behörde wegen einer Plakatkampagne für den Essener AfD-Politiker Guido Reil. Der Verdacht eines Verstoßes gegen das Parteiengesetz und der Untreue steht im Raum.

Inzwischen wird ein ehemaliger Kassenwart des Essener Kreisverbandes der AfD als Beschuldigter geführt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es Mitwisser gegeben haben muss. „Wir werden die Unterlagen auswerten und die Kommunikationsstruktur aufklären“, sagte Oberstaatsanwältin Anette Milk. Reil selbst ist in dem Verfahren nur Zeuge.

Seifen spricht verneint „böse Absicht“

AfD-Landeschef Helmut Seifen, der sich nach eigenen Angaben am Dienstag mit religionspolitischen Sprechern der AfD in Berlin aufhielt, sagte auf Anfrage: Sollte es eine Unterstützung gegeben haben, so hätten die Betroffenen diese „ohne böse Absicht“ und „arglos“ angenommen. „Mit Sicherheit hat da niemand gedacht: Jetzt betrügen wir mal den Staat.“ Co-Landessprecher Thomas Röckemann erklärte: „Zunächst werden wir uns juristisch Akteneinsicht verschaffen.“

Eine entscheidende Rolle bei Reils Kampagne soll die Schweizer PR-Agentur Goal AG spielen. Ihr Chef entwirft kernige Slogans für die rechte Schweizerische Volkspartei SVP. Im Wahlkampf 2017 soll die Goal AG neben Reil auch Jörg Meuthen mit Anzeigen unterstützt haben. Meuthen sprach von einem kostenlosen „Freundschaftsdienst“, räumte später aber ein, dass seine Kampagne etwa 90 000 Euro gekostet habe.

Die mutmaßliche Wahlkampfhilfe hatte Reil wenig genutzt. Der Ex-Sozialdemokrat verpasste den Einzug in den Landtag. Vor kurzem aber wurde er ins Europaparlament gewählt. Mit Jörg Meuthen.