Tino Chrupalla.
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BraunschweigDer sächsische Bundestagsabgeordnete Tino Chrupalla bildet gemeinsam mit Jörg Meuthen die neue AfD-Führungsspitze. Der 44-Jährige setzte sich beim Bundesparteitag in Braunschweig am Samstag in einer Stichwahl mit 54,5 Prozent gegen den Bundestagsabgeordneten Gottfried Curio durch, der rund 41 Prozent erhielt. Zuvor war Dana Guth aus Niedersachsen aus dem Rennen ausgeschieden.

Jörg Meuthen setzte sich gegen die Mitbewerber Nicole Höchst und Wolfgang Gedeon mit 69,18 Prozent der Stimmen durch.

Gauland zieht positive Bilanz

Der bisherige Parteivorsitzende Alexander Gauland sieht eine große Zukunft für die AfD voraus: Diese müsse ihren Kurs als „Partei des Volkes und der kleinen Leute“ konsequent fortsetzen und Regierungsfähigkeit entwickeln. „Wenn Grüne, Rote und Dunkelrote zusammengehen, wird der Tag kommen, an dem die geschwächte CDU nur noch eine Option hat: uns“, sagte er am Samstag zur Eröffnung des AfD-Bundesparteitags.

Gauland zog eine positive Bilanz: „Wir haben dieses Land verändert“, sagte er. „Und wir haben den Menschen eine Stimme gegeben, die sich allein kaum noch trauten, der Auflösung unseres Nationalstaats in der Merkelschen Willkommenskultur zu widersprechen.“ Gauland weiter: „Die SPD ist schon fast ruiniert. Bei der CDU hat die Zersetzung gerade erst begonnen.“

Es bestehe die erfreuliche Aussicht, dass die AfD mit diesem Parteitag „erwachsen“ werde. „Erwachsen heißt, dass wir einen teilweisen Generationswechsel solidarisch vollziehen.“

„AfD Faschistenpack - wir haben Euch zum Kotzen satt“

Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen sind die Delegierten der AfD am Samstag in Braunschweig zusammengekommen. Außerhalb des Tagungsgebäudes kam es zu  Protesten.

Polizisten drängen in Braunschweig Demonstranten zurück, die gegen den Parteitag der AfD protestieren.
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An der Volkswagen Halle, in der die AfD tagt, demonstrierten schon vor Beginn des Parteitags mehrere hundert Menschen. Sie riefen unter anderem „AfD Faschistenpack - wir haben Euch zum Kotzen satt“.

Am Mittag waren nach Angaben der Organisatoren 10.000 Menschen auf der Straße. Die Polizei nannte zunächst keine Zahlen. Sie hatte die Halle weiträumig abgesperrt und war mit starken Kräften präsent. Auch Wasserwerfer standen bereit. Der „Volkswagen“-Schriftzug an der Halle war auf Betreiben des Autokonzerns abgedeckt worden.

10.000 Menschen demonstrieren am Mittag in Braunschweig gegen die AfD.

Verhältnis zur Identitären Bewegung

Die Delegierten lehnten es ab, das Verhältnis zur Identitären Bewegung neu zu regeln. Ein Antrag, diese vom Verfassungsschutz beobachtete Gruppierung von der Unvereinbarkeitsliste zu streichen, wurde nicht auf die Tagesordnung gesetzt. Hätte er Erfolg gehabt, hätten Mitglieder der Identitären Bewegung künftig auch in die AfD eintreten können.

Ebenfalls nicht auf die Tagesordnung genommen wurde ein Antrag, der unangenehm für Mitglieder geworden wäre, die in Parteispendenaffären verwickelt sind. Er sah vor: „Wer vorsätzlich durch schuldhaftes Finanzgebaren die Partei zu Strafzahlungen zwingt oder von staatlichen Geldzuwendungen abhält, muss persönlich dafür haften.“