Berlin - Der Wittenberger Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer kritisiert die Ostdeutschen, die am zweithäufigsten die AfD wählten. Unter den Ost-Männern sind die AfD-Wähler die Mehrheit.

Herr Schorlemmer, Deutschland ist politisch mehr denn gespalten in Ost und West. Warum?

Die Spaltung ist schon lange da. Und die Ostdeutschen haben sich nicht genug mit der Geschichte auseinandergesetzt. Dass die AfD so ein krudes Personal an der Spitze hat und trotzdem gewählt wird, das beleidigt auch mich. Die SPD-Minister haben gute Politik gemacht. Aber das wird nicht honoriert. Man darf nur im äußersten Notfall in die große Koalition gehen.

Haben die anderen Parteien seit 1990 zu wenig auf Ostdeutschland geguckt?

Natürlich haben die anderen zu wenig auf den Osten geguckt. Aber die Ostdeutschen sind auch mit Illusionen gefüttert worden. Es wurde behauptet, es werde schnell gehen mit der Einheit; doch es konnte nicht schnell gehen. Und dann gibt es eine Undankbarkeit vieler Ostdeutscher. Sie sollten sich mal vergleichen mit den 140-Mark-Rentnern in der DDR. Und dann sollten sie sich noch mal melden. In welches Land wollen denn diese Leute gehen?

Was ist zu tun?

Die AfD-Wähler haben teils reale, teils eingebildete Ängste. Und die Spaltung in Arm und Reich wird in ganz Deutschland immer größer. Nur: Die AfD hat keine Lösungen. Und die Stillosigkeit dieser Leute darf nicht zur Stillosigkeit des Bundestages werden. Auf keinen Fall dürfen Hass und Xenophobie Einzug halten. Das Morgengebet jedes Abgeordneten sollte Artikel eins des Grundgesetzes sein: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“