Oberhausen - Der Machtkampf innerhalb des Landesverbands der AfD in Nordrhein-Westfalen findet unter Ausschluss der Medien statt. Beim vom Protesten begleiteten Landesparteitag in der Stadthalle von Oberhausen hat sich Landeschef Marcus Pretzell nach fast zweistündiger hoch emotionaler Debatte hauchdünn mit seiner Forderung durchgesetzt, die vom Landesvorstand betriebene Abwahl seines Co-Chefs Martin Renner von den Delegierten diskutieren und entscheiden zu lassen.

Allerdings hinter verschlossenen Türen. Die knapp 400 Delegierten entschieden mit deutlicher Mehrheit, die Vertreter der Medien vor dieser Debatte des Saales zu verweisen. Zuvor hatte es schon Gerangel gegeben, auf welcher der beiden Zuschauertribünen sich die Medienvertreter überhaupt aufhalten dürfen.

Wahlabsprachen per WhatsApp 

Renner, der zu den Gründungsmitgliedern der AfD gehört, wird vom Landesvorstand parteischädigendes Verhalten vorgeworfen. Er soll die parteiinterne Initiative „Basis wehrt sich“ angestiftet haben, eine Neuwahl der Landesliste per Unterschriftensammlung zu erzwingen. Umstritten war die Wahl der Landesliste, weil es Wahlabsprachen per WhatsApp gegeben haben soll. Außerdem soll ein Mitglied der Wahlkommission fünf Stimmzettel in der Urne zunächst übersehen und später auf Anweisung vernichtet haben.

Inzwischen hat der Landeswahlleiter des Landes Nordrhein-Westfalen die Liste aufgrund einer Vorprüfung "ohne gravierende Mängel" vorläufig zugelassen.

„Wir haben ein Personalproblem“

„Wir haben ein Personalproblem und das können wir heute belegen“ , begründete Landeschef Pretzell die Tatsache, dass die Abwahl Renners auf die Tagesordnung und vor der Verabschiedung des Wahlprogramms behandelt werden müsse. „Wir können hier heute belegen, dass ein Wahlkampf mit Martin Renner als Landessprecher der AfD nicht möglich ist. Wir hoffen, dass wir nicht gezwungen sind, dass außerhalb des Parteitags öffentlich zu machen. Der Schaden für die Partei wäre enorm.“

In der aufgeheizten Stimmung im Saal stehen sich die Unterstützer und Gegner Renners unversöhnlich gegenüber. Lediglich ein Delegierter aus Düsseldorf brachte das auf den Punkt: „Wenn wir jetzt zwei Stunden lang hier die Dreckkübel übereinander kippen, fahre ich jetzt nach Hause. Darauf habe ich nämlich keinen Bock.“

Diskussion des Wahlprogramms unklar

Vier Monate vor der Landtagswahl hat die AfD in NRW über ihr Wahlprogramm immer noch nicht diskutiert. Vor der Redeschlacht hatte Renner selbst von „heftigen Unruhen“ gesprochen, die auch davon getragen seien, dass bei der AfD bei einem Einzug in den Landtag und in den Bundestag „eine Vielzahl von Pfründen und neuen Einkommen zu erreichen“ seien.

Wie lange der Machtkampf toben und ob die AfD überhaupt noch über ihr Wahlprogramm diskutieren wird, ist derzeit völlig offen.