Tino Chrupalla kommentierte seine Wiederwahl an die Spitze der AfD gemeinsam mit Alice Weidel am Wochenende auf Twitter erst mal freudig. Alle Strömungen seien eingebunden, schrieb er. Ein Aufbruch sei eingeleitet, es könne wieder vorangehen.

Streit wird es künftig weniger geben. Da hat Chrupalla schon recht. Denn die gemäßigten Stimmen in der Partei sind gerade untergegangen, und dieser Aufbruch, von dem Chrupalla spricht, wird die Partei noch weiter nach rechts außen führen. Wenn man also das unter eingebunden versteht, kann man Chrupalla folgen.

Drei Tage hat die AfD im sächsischen Riesa an diesem Wochenende getagt. Und die Neuaufstellung der im Streit zwischen rechtsextremen und gemäßigten Kräften zerfallenden Partei sieht nun so aus: Es gibt nur noch eine Strömung und sie ist radikal. In dem kräftigen Strom, zu dem Chrupalla die verschiedenen Strömungen in der Partei zusammenführen wollte, muss er zudem nun auch noch aufpassen, dass er nicht untergeht. So schwach ist sein Wahlergebnis mit knapp über 50 Prozent der Stimmen, das schlechteste Wahlergebnis eines AfD-Vorsitzenden jemals. Mit Alice Weidel hat er schon mal eine Aufpasserin an die Seite bekommen.

Björn Höcke: „Vorstand entspricht vollständig meinem Geschmack“

Die Abhängigkeit vom eigentlichen Strippenzieher im Hintergrund, dem Rechtsextremisten Björn Höcke und seinem ehemaligen Flügel, ist in diesen drei Tagen weiter gewachsen. Höcke nutzte den Parteitag, um reihenweise seine Leute durchzudrücken, und so wundert es nicht, dass der neue Bundesvorstand „vollständig“ Höckes „Geschmack“ entspricht, wie er selbst sagt. Eine weitere Radikalisierung ist also zu erwarten. Zumal Höcke auch eine Parteistrukturreform vorantreibt.

Das wird vor allem ein Thema für den Osten der Republik, weil nur dort die Ergebnisse bei Wahlen noch stabil zweistellig sind. Und so kommt jetzt erst mal wohl das, was der ausgeschiedene ehemalige Parteichef Jörg Meuthen prophezeit: Die AfD wird eine ostdeutsche Regionalpartei. Die allerdings könnte extrem werden.