Mainz/Stuttgart/Magdeburg - Die AfD beschwört nationale Interessen und das traditionelle Familienbild - und provoziert allerorts lautstarke Proteste. Vor den drei Landtagswahlen am 13. März in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt findet der Wahlkampf der AfD unter Polizeischutz statt. In allen drei Ländern kann die rechtsgerichtete Partei laut Umfragen mit dem Einzug ins Parlament rechnen - vor allem Männer wollen AfD wählen, bei den Frauen ist die Resonanz sehr viel schwächer.
Ob bei Auftaktkundgebungen in Mainz und Stuttgart-Bad Cannstatt oder am Mittwoch in Magdeburg, eine Konfrontation mit AfD-Gegnern ist vorprogrammiert. Von einem „Klima, das zunehmend von Angst geprägt wird“, spricht die Bundesvorsitzende Frauke Petry, von Bedrohungen, von der Absage von Veranstaltungsräumen.

Hohe Umfragewerte in drei Bundesländern

Allerdings strebt die „Alternative für Deutschland“ auch ohne viele Kundgebungen mit hohen Umfragewerten in die Parlamente der drei Bundesländer: In Rheinland-Pfalz sind es acht bis neun Prozent, in Baden-Württemberg zehn bis elf und in Sachen-Anhalt 15 Prozent. „Die AfD muss sich im Wahlkampf kaum große Mühe geben“, sagt der Mainzer Wahlforscher Jürgen Falter. „Sie kann sich damit begnügen, auf ihre frühzeitige Ablehnung einer großzügigen Aufnahme von Flüchtlingen hinzuweisen.“

So dient die Alternative für Deutschland in Rheinland-Pfalz als Auffangbecken für all die Ressentiments gegen Flüchtlinge, wie sie seit Jahresbeginn weiter zugenommen haben. Der rheinland-pfälzische Landesvorsitzende Uwe Junge spricht von „massenhaft einreisenden Analphabeten“, der AfD-Chef in Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, fordert eine „Obergrenze von null“. In Baden-Württemberg will Jörg Meuthen ans Grundgesetz, um über eine Verfassungsänderung den Zugang geflüchteter Menschen zu begrenzen. Von den „Altparteien“ erwarten die AfD-Politiker keine Lösung. Der Bundeswehroffizier Junge wirft ihnen „pflichtvergessenes und gegen unser eigenes Volk gerichtetes Treiben“ vor.

Aber die AfD sei keine Ein-Themen-Partei, betont Petry. Die Landeswahlprogramme fordern mehr direkte Demokratie, beschwören das „Leitbild der Familie aus Vater, Mutter, Kindern“ und wendet sich gegen „Genderwahn“. Warum das der Partei wichtig ist, erklärt Petry auf einer Kundgebung in Koblenz: Um das „Schrumpfen als deutsches Volk“ zu beenden, müsse jede Mutter möglichst drei Kinder zur Welt bringen.

Mütter sind bei den Saalveranstaltungen der AfD aber kaum zu sehen. Nach einer Emnid-Umfrage vom vergangenen Wochenende wollen bundesweit nur zwei Prozent der wahlberechtigten Frauen AfD wählen, bei Männern sind es 17 Prozent. Auch die Liste der AfD zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz ist männlich dominiert. Frauen stellen nur fünf von 30 Kandidaten, bei keiner anderen der 14 Listen ist der Frauenanteil so gering wie bei der AfD. Gleichzeitig ist der Altersschnitt der Kandidaten mit 52,7 Jahren um sieben bis neun Jahre höher als bei SPD, CDU und Grünen.

Ältere Männer zählen zur vorrangigen Klientel

„Die AfD hat wie alle Außenseiterparteien mehr Erfolg bei Männern als bei Frauen“, erklärt Parteienforscher Falter. „Das konnten wir immer wieder beobachten, etwa bei der NPD und den Republikanern.“ Von der AfD fühlten sich vor allem ältere Männer angezogen, weil die Partei Befürchtungen zum Ausdruck bringe, die von jungen Wählern eher nicht geteilt würden. Die Partei vertrete das rechtsgerichtete, nationalkonservative Bürgertum, spreche aber auch nicht wenige Arbeiter an.

In den beiden westlichen Bundesländern bemüht sich die AfD um ein betont bürgerliches Auftreten. In Sachsen-Anhalt gibt aber ein Anhänger des rechtsnationalen Flügels den Ton an. Landeschef Poggenburg ist ein Vertrauter des Hardliners Björn Höcke aus Thüringen. Er stehe sehr zu ihm, bekräftigte Poggenburg erst am Samstag auf einem Landesparteitag. Höcke kommt am (morgigen) Mittwoch auch zu einer AfD-Demonstration in Magdeburg.

Die Abspaltung des rechtsliberalen Flügels um AfD-Mitbegründer Bernd Lucke im Sommer vergangenen Jahres hat der AfD kaum geschadet. Dessen „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ (Alfa) ist in den Umfragen nicht gesondert ausgewiesen, liegt somit deutlich unter fünf Prozent.

Welche Konsequenzen für die Landespolitik hätte ein Wahlerfolg der AfD? In allen drei Bundesländern haben die bisher im Landtag vertretenen Parteien eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen. Ein Einzug der AfD gefährdet die bisherigen Regierungen von SPD und Grünen in Mainz und Stuttgart. Die große Koalition in Magdeburg könnte aber bestätigt werden.

Dieses Modell wird dann auch in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg eine Option - je nachdem, welche Mehrheitsverhältnisse sich am 13. März ergeben. Der Mainzer Politikwissenschaftler Falter sieht in einem „noch stärkeren Zwang zur großen Koalition“ einen Nachteil für das politische System: „Ohne eine starke Opposition wird die Regierung einfach nicht ausreichend kontrolliert.“ (dpa)