Köln - Zu Beginn erhält sie noch stehende Ovationen. Als Frauke Petry am Samstagvormittag auf dem massiv gesicherten Bundesparteitag der AfD im Kölner Maritim Hotel das Wort ergreift, hat sie eine Mehrheit der knapp 600 Delegierten auf ihrer Seite, noch. 

Zunächst ist der Saal noch auf Petrys Seite

Der Saal applaudiert, als sie mit den Kirchen in Deutschland hart ins Gericht geht, weil die die Proteste draußen vor dem Hotel gegen den Parteitag unterstützen. „Wären die Kirchen wirklich moralisch ehrlich, hätte man einfach mal unser Programm lesen können“, ruft Petry in den Saal. „Aber Fakten stören die Ideologie.“ Tosender Beifall.

Er wird schon deutlich schwächer, als sie mit der Diskussionskultur ihrer Partei abrechnet – so wie sie es auch schon in ihrer Videobotschaft vom vergangenen Mittwoch getan hat, in der sie zur Überraschung vieler verkündete, dass sie nicht als Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl im September zur Verfügung stehen werde, weder allein noch in einem Team. Seither wird gerätselt, ob das nur eine taktische Finte war – oder der Anfang eines Rückzugs der 41-Jährigen, die immer noch für die Außendarstellung der Partei wichtig ist.

Aber noch kämpft Petry, in einem hautengen knallroten Kleid. Zwar äußert sie Verständnis dafür, dass viele lieber keine Debatte führen wollen über die strategische Neuausrichtung der Partei, wie Petry sie in einem sogenannten Zukunftsantrag gefordert hat. Er hat in der Partei im Vorfeld riesigen Wirbel ausgelöst, hatte sie doch den brandenburgischen AfD-Chef Alexander Gauland namentlich scharf angegriffen – und mit ihm gleich den gesamten rechten Flügel der Partei.

Petry hat die Stimmung an der Basis verkannt

Die Diskussion zu vermeiden, sei zwar emotional verständlich, aber nicht hilfreich, beschwört sie die Delegierten. „Vor allem ist es nicht mutig.“ Erneut wirbt Petry dafür, bürgerliche Schichten anzusprechen, die bisher durch das negative Erscheinungsbild der Partei abgeschreckt worden seien, und die Partei regierungsfähig zu machen. Dann gesteht sie ein, dass es ein Fehler war, Gauland derart anzugreifen und entschuldigt sich sogar bei ihm. Und erklärt sich bereit, Teile des Antrags zu überarbeiten.

Es wird ihr nicht helfen, später beschließt eine Mehrheit der Delegierten, den Antrag gar nicht erst in die Tagesordnung aufzunehmen. Es ist eine schwere Niederlage für Petry, zumal die Delegierten auch dagegen sind, gar kein Spitzenteam für die Wahl zu ernennen.

Das hat Vizechef Albrecht Glaser, einer der Unterstützer Petrys, versucht zu verhindern. Wenn Petry gehofft hat, dass sie dann  als Co-Vorsitzende der Partei doch die zentrale Figur im Wahlkampf werden würde, hat sie die Stimmung an der Basis verkannt. Es sei eine folgenschwere Entscheidung, sich nicht mit ihrem Antrag zu befassen, sagt sie später. „Der Parteitag hat damit einen Fehler gemacht.“ Und dass sie sich vorbehält, sich die Entwicklung der Partei in den nächsten Monaten sehr genau anzuschauen.