Berlin - Der thüringische AfD-Vorsitzende Björn Höcke hat nach seiner umstrittenen Dresdner Rede nachgelegt. Laut einem Artikel des US-amerikanischen „Wall Street Journal“ sagte Höcke: „Das Problem ist, dass Hitler als absolut böse dargestellt wird. Aber selbstverständlich wissen wir, dass es in der Geschichte kein Schwarz und Weiß gibt.“

Der Artikel, in dem Höcke zitiert wird, trägt den Titel: „Die deutsche Rechte glaubt, es ist Zeit, die historische Schuld des Landes abzulegen“.

Höckes Dresdner Rede zum Holocaust schlug hohe Wellen

In seiner Dresdner Rede forderte Höcke Mitte Januar in Bezug auf die deutsche Geschichte eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ und bezeichnete das Holocaust-Mahnmal als „Denkmal der Schande“. Höckes Aussagen hatten hohe Wellen geschlagen.

AfD-Bundessprecherin Frauke Petry forderte den Parteiausschluss Höckes, weil dieser der Partei ihrer „demokratischen Legitimation“ beraube. Ausgeschlossen wurde Höcke jedoch nicht.

Frauke Petry weist auf angebliche Grausamkeit der Amerikaner hin

Neue Aussagen Frauke Petrys rücken den Vorgang nun in ein neues Licht. Denn sie zeigen, dass Petry und Höcke geschichtspolitisch gar nicht so weit auseinanderliegen. Die 41-Jährige wird ebenfalls im „Wall Street Journal“ zitiert. Zum einen sagte Petry, Besuche in Konzentrationslagern seien für Schüler wichtig, damit sie erfahren, was „Menschen Menschen antun können“.

Zum anderen sagt sie aber auch: „Im gleichen Maße sollte man sie darüber informieren, dass die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg es den deutschen Kriegsgefangenen erlaubten, in Lagern auf den Rheinwiesen zu verhungern.“

Die Aussagen hatte Petry im Oktober 2016 im Hambacher Schloss gemacht.

Tatsächlich gab es zwischen April und September 1945 rund 20 Lager, in denen die USA, Großbritannien und Frankreich Millionen deutsche Soldaten gefangen hielten. Hygiene und Ernährung waren in Folge des Zweiten Weltkrieges katastrophal. Mit dem Holocaust ist das jedoch nicht gleichzusetzen.

Hitler hatte laut Petry keine andere Wahl

Geht es nach Höcke und Petry, müsste jedoch auch über den Beginn des Zweiten Weltkriegs diskutiert werden. Laut Höcke, selbst Geschichtslehrer von Beruf, begann der Krieg als lokaler Konflikt. Hitler habe lediglich versucht, die nach dem Ersten Weltkrieg verlorenen Gebiete zurückzuerobern.

Hitler sei nichts Anderes übriggeblieben, als mit der Wehrmacht in Polen einzumarschieren, zitiert das „Wall Street Journal“. Frauke Petry ist demnach der Meinung, Kriege würden nur dann stattfinden, „wenn mehrere Parteien das wollen“.

Es erscheint in diesem Zusammenhang fragwürdig, ob Frauke Petrys Distanzierung von Höcke nach dessen Dresdner Rede wirklich so gemeint, oder doch nur Rhetorik war.