Berlin - Der Publizist Henryk M. Broder – Autor bei der „Welt“ – hat in dieser Woche vor der AfD-Bundestagsfraktion eine Rede gehalten. Das Aufsehen und die Kritik waren groß.

Erstens, weil es die AfD war. Zweitens, weil sich Broder am Rande der Veranstaltung von der Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel umarmen und dabei fotografieren ließ. „Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt twitterte daraufhin: „Wichtige Regel: Politiker und Journalisten sollten sich nie umarmen (lassen). Und auch sonst keine missbrauchbare Nähe suchen.“

Broder, der auf dem Foto alles andere als unglücklich aussieht, reagierte so: „Es wäre richtig gewesen, sich der Umarmung zu entziehen. Als Journalist sollte man auf Distanz zu Politikern und Politikerinnen achten.“ Er bitte um Entschuldigung und gelobe Besserung. Es gebe aber „keinen Grund, aus dieser Umarmung weiter gehende Schlüsse zu ziehen“.

Im Übrigen hat der in Kattowitz als Sohn von Holocaustüberlebenden geborene 72-Jährige die AfD bei seiner Rede durchaus kritisiert. So distanzierte er sich von der Äußerung des Parteivorsitzenden Alexander Gauland, der den Nationalsozialismus als „Vogelschiss“ bezeichnet hatte.

Rechtspublizistische Grauzone

Gleichwohl wird Broder, der auf der einschlägigen „Achse des Guten“ veröffentlicht, unter anderem deshalb seit längerem einer rechtspublizistischen Grauzone zugeschlagen. Dort ist er nicht allein.

In eine ähnliche Kategorie fällt der einstige „Spiegel“-Autor Matthias Matussek, der vom „Spiegel“ zur „Welt“ ging und dort entlassen wurde. Dem war ein Tweet vorausgegangen, in dem Matussek einen Terroranschlag in Paris mit den Worten kommentierte: „Ich schätze mal, der Terror von Paris wird auch unsere Debatten über offene Grenzen und eine Viertelmillion unregistrierter junger islamischer Männer im Lande in eine ganz neue frische Richtung bewegen.. :-( “.

Broder in guter Gesellschaft

In die Kritik geraten ist zuletzt ebenfalls der Blogger und „Welt“-Autor „Don Alphonso“, der mit bürgerlichem Namen Rainer Meyer heißt. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) wirft ihm vor, regelmäßig andere auszugrenzen, etwa Flüchtlinge. Aktueller Stein des Anstoßes ist, dass Meyer in die Jury des Medienpreises des Deutschen Bundestages berufen wurde.

Als Medien in der Grauzone zum Rechtspopulismus gelten Kritikern etwa  „Tichys Einblick“, verantwortet von dem früheren „Wirtschaftswoche“-Chefredakteur Roland Tichy. Die „Achse des Guten“ und die „Junge Freiheit“ haben die Grenze nach allgemeiner Einschätzung überschritten.

Hinweis der Redaktion: Der vorliegende Text wurde nach der Erstveröffentlichung redaktionell bearbeitet.