Bjoern Höcke (AfD) ist Gründer des "Flügels".
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BerlinDer Thüringer AfD-Chef Björn Höcke hat die Auflösung der als rechtsextrem eingestuften Parteiströmung „Flügel“ beschlossen. Das erklärte die Gruppierung in einer Mitteilung auf Facebook. "Schweren Herzens haben wir uns heute entschieden, dass sich die Wertegemeinschaft des Flügels gemäß dem Beschluss des Bundesvorstandes auflösen wird", heißt es dort. Der Eintrag ist mittlerweile zwar wieder gelöscht, jedoch hatten Vertreter der Vereinigung dies auch der ARD bestätigt. Dem Sender erklärten sie, die Entscheidung sei am späten Freitag gefallen. 

Björn Höcke sagte in einem am Samstagabend veröffentlichten Interview zudem, die Forderung des AfD-Bundesvorstands zur Auflösung des „Flügels“ habe dieser „längst umsetzt: seine Historisierung“. Der AfD-Vorstand hatte am Freitag gefordert, die Gruppierung müsse sich bis Ende April auflösen.

Höcke äußert sich in einem Interview mit dem neurechten Verleger Götz Kubitschek, das auf dessen Website veröffentlicht wurde. Seit der Gründung des „Flügels“ vor fünf Jahren habe sich „die AfD sehr gut entwickelt“, sagte er. „Und so notwendig unser Impuls vor fünf Jahren war: Nun brauchen wir einen Impuls, der über den Flügel hinausweist und die Einheit der Partei betont“, fügte der thüringische Landes- und Fraktionschef hinzu. „Nun geht das, worüber wir längst nachdenken, eben schneller“, sagte Höcke weiter.

Die beiden wichtigsten Führungspersönlichkeiten des „Flügels“sind der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke und Brandenburgs AfD-Landeschef Andreas Kalbitz. 

Ein ursprünglich für diesen Samstag geplantes Treffen des „Flügels“ war ausgefallen, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Grund dafür sollen zahlreiche Absagen im Zusammenhang mit der Verbreitung des Coronavirus sein. 

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte in der vergangenen Woche erklärt, der „Flügel“ sei eine „erwiesen extremistische Bestrebung“, die sich gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung richte. Etliche Kritiker des „Flügels“ innerhalb der AfD befürchten nun, dass die gesamte Partei demnächst vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft werden könnte. Sie argumentieren, da der „Flügel“ keine formale Mitgliedschaft kenne, sei die Abgrenzung zur Gesamtpartei schwierig.