Beim Einsatz bewaffneter Drohnen eifert Großbritannien mit aller Macht den USA nach. Nach einem Zeitungsbericht hat das britische Verteidigungsministerium fünf weitere große Kampf-Drohnen vom Typ Reaper von den USA gekauft, um sie gegen mutmaßliche Terroristen und Widerstandskämpfer in Afghanistan einzusetzen. Bereits an diesem Freitag solle die neue Drohnen-Staffel feierlich in Dienst gestellt werden, schrieb der "Guardian". Großbritannien verdoppelt damit die Zahl seiner unbemannten Kampfdrohnen.

Zum ersten Mal verfügt die britische Armee am Luftwaffenstützpunkt Waddington in Lincolnshire auch über ein eigenes High-Tech-Zentraum, von dem aus britische Piloten die neuen Reaper-Drohnen bei ihren Aufklärungs- und Kampfflügen steuern. Bislang waren die britischen Streitkräfte dafür auf die Hilfe der USA angewiesen.

Britische Piloten wurden am US-Stützpunkt Creech in Nevada stationiert. Von dort aus steuern US-Militärs die fliegenden Kampfmaschinen über Afghanistan oder Pakistan. Doch auch diese Piloten sollen auf Dauer nach Waddington zurückverlegt werden.

Britische Drohnen hätten in den letzten fünf Jahren fast 40.000 Flugstunden über Afghanistan absolviert, zitiert der Guardian aus Statistiken des britischen Verteidigungsministeriums. In dieser Zeit hätten sie 334 Bomben und lasergesteuerte Raketen vom Typ Hellfire auf mutmaßliche Aufständische abgefeuert. Vier Zivilisten seien dabei getötet worden. Wie viele Aufständische ums Leben gekommen seien, könne das Ministerium wegen der "immensen Schwierigkeiten und Risiken" solcher Überprüfungen nicht sagen.

Problemfall Pakistan

Der Einsatz von Drohnen ist auch in Großbritannien höchst umstritten. Völkerrechtlich gelten die britischen "Reaper"-Missionen allerdings als weniger problematisch als die US-Drohneneinsätze in Pakistan, weil die britischen Streitkräfte sie nur in Afghanistan einsetzen. Anders als in den USA werden die britischen Flugsysteme auch nicht von Geheimdienstmitarbeitern gelenkt, sondern von Soldaten, die für etwaige Fehlhandlungen verantwortlich gemacht werden können.

Der britische Organisation Reprieve, die sich den Kampf gegen Drohnen verschrieben hat, richtet ihre Kritik an der britischen Drohnen-Politik deswegen auch auf eine andere Frage: Sie verlangt Aufklärung, ob der britische Nachrichtendienst GCHQ den befreundeten Diensten in den USA Informationen über Ziele für Drohnen-Angriffe in Pakistan geliefert hat. Für Reprieve ist es ein großer Erfolg, dass ein Gericht in London heute und morgen genau dieser Frage nachgehen will.

Hague soll sich erklären

In der Anhörung geht um eine Klage des pakistanischen Staatsbürgers Nur Khan, dessen Vater während einer Versammlung der Dorfältesten in Miranschah in der pakistanischen Grenzregion Nord-Wasiristan durch eine US-Drohne getötet wurde. Khan hat das Gericht gebeten, Außenminister William Hague, dessen Ministerium für den Geheimdienst GCHQ zuständig ist, um Aufklärung über die britische Mitwirkung bei der Zielauswahl zu befragen.

"Wir teilen Khans Bedenken, ob es moralisch richtig ist, dass das Vereinigte Königreich in einen illegalen Angriff auf ein Land hineingezogen wird, mit dem es sich nicht im Krieg befindet", sagte die Chefjuristin von Reprieve, Kat Craig. Dagegen wehrt sich die britische Regierung nachdrücklich gegen die Anhörung vor Gericht. Das Außenministerium will versuchen, die Richter zur sofortigen Einstellung des Verfahrens zu bewegen.