März 1999. Joschka Fischer sitzt im Weltsaal des Auswärtigen Amtes in Bonn. Nato-Bomber fliegen Angriffe auf Ziele in Serbien, mit dabei sind auch Kampfflugzeuge der Bundeswehr. Unter der kupfernen Weltkarte erläutert der Außenminister und führende Mann der pazifistischen Partei Die Grünen, weshalb erstmals seit 1945 wieder deutsche Soldaten in den Krieg ziehen; und das gegen ein Land, das die Wehrmacht fast sechzig Jahre zuvor bereits angegriffen hatte. Er habe als 16-Jähriger ein Buch über den Kampf eines jüdischen Jugendlichen im Warschauer Ghetto gelesen, sagt Fischer mit belegter Stimme. „Ich habe nicht nur gelernt: Nie wieder Krieg, sondern auch: Nie wieder Auschwitz.“ Das ist die entscheidende Formel. Nie wieder Auschwitz. Fischer zieht eine Parallele zwischen dem Holocaust und den sogenannten ethnischen Säuberungen des serbischen Diktators Slobodan Milosevic. „Im Kampf gegen Milosevic gibt es keine unschuldige Position.“

Nie wieder Auschwitz. Das ist ein moralischer Imperativ, gegen den sich schwer argumentieren lässt. Denn, wie die Publizistin Cora Stephan festgestellt hat: „Moral ist das Mittel desjenigen, der sonst keine guten Argumente hat.“ Es ist aber im Deutschland des Jahres 1999 das einzige Mittel der rot-grünen Regierung, diesen Kriegseinsatz überhaupt gegenüber den eigenen Anhängern und der überwiegend pazifistisch gesinnten Bevölkerung begründen zu können. Aber was heißt schon Kriegseinsatz. So darf man das damals nicht nennen. „Wir führen keinen Krieg, aber wir sind aufgerufen, eine friedliche Lösung im Kosovo auch mit militärischen Mitteln durchzusetzen“, sagt Bundeskanzler Gerhard Schröder in seiner Fernsehansprache zum Beginn der Angriffe am 24. März 1999. Militärische Mittel also.

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