Der chinesische Künstler Ai Wei Wei.
Foto: dpa/Michael Kappeler

BerlinImmer diese Taxi-Fahrer. In einem Interview mit der Tageszeitung The Guardian schildert der chinesische Künstler Ai Weiwei, dass ihm in Berlin wiederholt die Fortsetzung der Beförderung verweigert worden sei. Einmal sei es darum gegangen, dass er wegen eines starken Parfümgeruchs das Fenster geöffnet habe und er daraufhin vom Fahrer hinausgeworfen worden sei. Ein anderes Mal sei er des Taxis wegen eines zu lauten Telefonats verwiesen worden. 

Lasche Haltung gegen Menschenrechtsverletzungen

Es ist nicht das erste Mal, dass Ai Weiwei sich kritisch zu seinem fast vierjährigen Aufenthalt in Berlin äußert, wo er nach einer mehrmonatigen Haft in einem chinesischen Gefängnis und einem vierjährigen Reiseverbot von 2015 bis 2019 gelebt hat. Mehrfach hat der in Deutschland gefeierte Künstler, der auf der Documenta 12 im Jahre 2006 gleich mit zwei Werken präsent war, die allzu lasche Haltung Deutschlands gegenüber den Menschenrechtsverletzungen Chinas beklagt.

In Deutschland sucht man Höflichkeit vergeblich. In Deutschland sagen sie, du musst Deutsch sprechen. Sie mögen Ausländer dort gar nicht.

Ai Weiwei im Interview mit dem "Guardian"

Im Gespräch mit dem Guardian unterstellt Ai Weiwei einen ganz konkreten Zusammenhang zwischen dem diplomatischen Lavieren der Deutschen und deren nationalen Charakter. Die Deutschen, mutmaßt er im Gespräch, lieben die Bequemlichkeit, unterdrückt zu werden. Diese Eigenart teilten sie mit seinen chinesischen Landsleuten. „Wenn du dich erst mal daran gewöhnt hast, kannst du es richtig genießen“, sagt Ai Weiwei sarkastisch und verweist dabei auf die Existenz eines auffällig autoritären Charakters in beiden Ländern. In Deutschland wie in China sei kein Platz für Individualität. Der Nazismus indes präge den deutschen Alltag bis heute.

Es ist ein wenig verstörend, wenn Ai Weiwei nach unangenehmen Erfahrungen im öffentlichen Nahverkehr Hochrechnungen über völkische Mentalität und nationale Stereotypen anstellt. Für ein Kunstprojekt wird Ai Weiwei übrigens schon bald nach Berlin zurückkehren.