Die Atomkraft und der gratwandernde Minister Robert Habeck

Das Atomzeitalter endet in Deutschland, und zwei Kraftwerke laufen trotzdem weiter. Wie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) es allen recht macht.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck
Bundeswirtschaftsminister Robert HabeckAP/Markus Schreiber

Die medialen Debatten der vergangen Monate hinterließen den Eindruck, dass alle Deutschen zurück zur Atomkraft wollten. Viel ist darüber berichtet worden und der Tenor war oft, in der Krise sei die Atomkraft jetzt alternativlos.

Die verbliebenen drei Meiler sollten auch ohne überfällige Sicherheitsüberprüfungen länger am Netz bleiben. Plötzlich gab es Stimmen, die längst abgeschaltete AKW wieder zurückholen wollen aus der Abwicklung. Langsam wirkt es so, als sei nur noch der grüne Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck der Ansicht, dass Atomkraft eine Hochrisikotechnologie sei, von der wir uns längst aus guten Gründen verabschiedet haben.

Nun, das ist eine falsche Wahrnehmung. In der Bevölkerung wollen immer noch viele Menschen nicht neben einem Atomkraftwerk oder über einem Endlager wohnen. Sie beobachten den Beschuss des Atomkraftwerks Saporischschja in der Ukraine mit Furcht vor einer Nuklearkatastrophe. Sie nehmen zur Kenntnis, dass das Atomkraft-Land Frankreich seinen Strom jetzt in Deutschland kaufen muss, weil ein großer Teil der eigenen Werke einfach nicht läuft.

Robert Habeck, der Fuchs

Ob das Robert Habeck allerdings auf seinem gratwandernden Kurs retten wird, ist eine andere Frage. Denn eine Gratwanderung ist es. Habeck bleibt bei seinem Konzept. Die reguläre Laufzeit der drei Meiler endet am 31. Dezember. Die Atomkraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim 2 werden in der Einsatzreserve für den Notfall bereitgehalten. Dass dieser Notfall eintreten wird, ist allerdings schon klar. Isar 2 wird bis März am Netz bleiben, Neckarwestheim bis in den Februar.

Damit hat Habeck versucht, es allen recht zu machen. Seiner Koalition, die das Thema vom Tisch haben will. Der CDU und der FDP, die den Weiterbetrieb wollen. Seiner eigenen Partei, die vom Ende des Atomzeitalters nicht abrücken wird. Den wahlkämpfenden Grünen in Niedersachsen, weil ihr Meiler definitiv abgeschaltet wird. Und jenen Bürgern, die froh sind, wenn wir das Kapitel Atomkraft endlich hinter uns haben. Habeck laviert geschickt. Er wird allerdings damit leben müssen, nun auch von allen Seiten weiter beobachtet und beschossen zu werden.