Berlin - Am Samstagmittag versammelten sich ab 14:30 Uhr am Adenauerplatz in Charlottenburg zahlreiche Israel-Feinde, um anlässlich des europaweiten Al-Quds-Tages von dort durch die Innenstadt zu ziehen und gegen den Staat in Nahost zu protestieren.

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Der Qudstag (Quds bedeutet auf arabisch: Jerusalem) wurde 1979 vom Iranischen Revolutionsführer Ajatollah Khomeini ins Leben gerufen. Die Demonstrationen finden europaweit statt. Dahinter steckt nach Angaben von Sicherheitsorganisationen die schiitische Terrororganisation Hisbollah. Auf den Märschen wird die Eroberung Jerusalems und die Vernichtung Israels propagiert, auch wenn die Veranstalter offiziell gegen Antisemitismus sind.

Unter den Al-Quds-Demonstranten waren auch mit Kopftuch und Schleiern bedeckte Frauen, die Transparente, Schilder und Plakate in die Höhe hielten. Auf diesen forderten sie ein Ende der Gewalt durch Israel - wandten sich aber auch gegen die Terrororganisation des Islamischen Staats (ISIS). Außerdem waren sehr viele junge Menschen unter den Teilnehmern, zahlreiche Kinder schwenkten palästinensische Flaggen.

In einer Rede vor Beginn des Protestzuges über den Kurfürstendamm bis zum Wittenbergplatz wurden die Teilnehmer konkret instruiert, wie sie sich während des Marsches verhalten sollten. So wurde ihnen beispielsweise angeraten, Parolen wie „Israel ist tot“ zu vermeiden und Bescheid zu geben, wenn Nazis im Teilnehmerfeld gesichtet würden. Außerdem betonte ein Redner, dass die Gruppe ein Recht auf die Demonstration habe.

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Im weiteren Verlauf wurden die Wortbeiträge hetzerischer, verhöhnten die Gegendemonstranten und richteten sich gegen Medien, insbesondere die sogenannte Lügenpresse („Die Lügenpresse ist nicht frei“). Frauen wurden aufgefordert, für den Islam einzutreten. Ein Redner dankte der Polizei, freute sich über „die vielen Kopftücher“, erntete dafür viel Applaus.

Immer wieder antwortete die Menge mit antisemitischen Parolen wie „Zionisten sind Rassisten, töten Kinder und Zivilisten“ und „Muslime, Juden und Christen - Hand in Hand gegen Zionisten“. Zudem war die Parole „Gaza, Gaza bis zum Sieg!“ zu hören.

Hunderte protestieren gegen den Islamisten-Aufmarsch

An gleicher Stelle kamen Gegendemonstranten zusammen: rund 500, zumeist junge Menschen. Die Teilnehmer der Gegendemonstration liefen unter dem Motto „Gemeinsam gegen den größten antisemitischen Aufmarsch Deutschlands“. Sie skandierten „Free Gaza from Hamas“ und forderten mit Rufen wie „Lang lebe Israel“ Unterstützung für den Staat in Nahost.

Die Berliner Polizei hatte sich nach den Erfahrungen im Vorjahr auf einen Großeinsatz vorbereitet, so bildeten Hundertschaften eine Mauer zwischen beiden Lagern, um Zusammenstöße zu vermeiden. Ein Wechsel zwischen beiden Lagern war nahezu unmöglich. Trotz latent aufgeheizter Stimmung verlief alles weitgehend friedlich. Lediglich bei kleineren Zwischenfällen musste die Polizei einschreiten, als einzelne Gegendemonstranten in den Seitenstraßen auftauchten. Die Beamten reagierten schnell und schirmten diese vom Al-Quds-Zug ab.

Außerdem war die Polizei unter anderem mit Arabisch und Türkisch sprechenden Beamten vor Ort, um gegebenenfalls verbotene Plakate oder Sprechchöre zu unterbinden. Der Berliner Lesben- und Schwulenverband nahm ebenfalls an einer Gegendemonstration teil und verteilte Sticker und Fähnchen mit regenbogenfarbenem Davidstern.

Von Breitscheidplatz und Wittenbergplatz aus zogen die Teilnehmer der Gegendemonstration zum Joachimstaler Platz. Zu diesem Zug unter dem Motto „Internationaler Tag der Solidarität mit Israel“ hatten neben dem LSVD auch das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus und die Grüne Jugend aufgerufen. Auch israelfreundliche Teile der Antifa stellten sich gegen den Al-Quds-Aufzug

Weniger Islamisten als im vergangenen Jahr

Nach bisheriger Einschätzung marschieren weniger Islamisten auf als noch im vergangenen Jahr. Rund 2500 Israel-Feinde wurden angekündigt, doch mit schätzungsweise 650 Menschen lag die Teilnehmerzahl weit darunter.

Im vergangenen Jahr wurden bei einer Pro-Palästina-Demonstration auf dem Ku’damm Parolen wie „Israel vergasen“ und „Israel, Israel, feiges Schwein, komm heraus und kämpf' allein!“ gerufen. Strafrechtliche Konsequenzen hatte dies nicht. Aufgeheizt waren die Demonstranten auch wegen des damals andauernden Gaza-Krieges.