Berlin - Das Flüchtlingsrettungsschiff „Alan Kurdi“ hat am Montag erneut 44 Menschen aus dem Mittelmeer an Bord genommen. Die Flüchtlinge seien „in Kooperation mit maltesischen Behörden“ von einem Holzboot gerettet worden, teilte die deutsche Hilfsorganisation Sea-Eye am Abend im Kurzbotschaftendienst Twitter mit.

Ein Schiff der maltesischen Marine sei auf dem Weg, um die Menschen von der „Alan Kurdi“ zu übernehmen und an Land zu bringen.

Das deutsche Rettungsschiff hatte erst am Sonntag nach langem Hin und Her 65 Flüchtlinge an Malta übergeben, die am Freitag im Mittelmeer gerettet wurden. Sowohl Malta als auch Italien hatten der „Alan Kurdi“ das Anlegen in ihren Häfen untersagt.

EU will Verteilungsmechanismus für Flüchtlinge

Angesichts der Flüchtlingskrise hat EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos einen „vorläufigen“ Verteilungsmechanismus für gerettete Migranten gefordert. „Die Herausforderungen der Migration können nicht nur in der Verantwortung von Italien und Malta liegen, nur weil sich diese Staaten am Mittelmeer befinden“, sagte Avramopoulos der „Welt“ (Dienstagsausgabe).

Bis die neuen Regeln zur Verteilung von Flüchtlingen nach dem sogenannten Dublin-System Realität würden, müssten alle EU-Mitgliedstaaten ihre Arbeit beschleunigen und „vorläufige Vereinbarungen“ finden, wie mit geretteten Flüchtlingen umzugehen sei. Dabei müssten Situationen wie bei den deutschen Flüchtlingsrettungsschiffen „Sea-Watch 3“ und „Alan Kurdi“ sowie ähnliche Vorfälle aus der Vergangenheit, bei denen die Kommission Einzelfalllösungen zwischen den Mitgliedstaaten koordiniert hatte, verhindert werden, sagte Avramopoulos. „Nächste Woche werden wir das erste EU-Innenminister-Treffen unter finnischer Ratspräsidentschaft abhalten - ich hoffe, dass wir dort vorankommen können.“

Müller kritisiert EU für „Notlösung“

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) kritisierte allerdings, dass sich die EU seit dem Ende der Mittelmeer-Mission „Sophia“ von „einer Notlösung zur nächsten“ hangele. „Wir können nicht auf alle warten. Die aufnahmebereiten Staaten müssen jetzt vorangehen“, sagte Müller der „Bild“-Zeitung (Dienstagsausgabe). Er bekräftigte zugleich seine Forderung nach internationaler Hilfe für die Flüchtlinge in Libyen.

Ebenso äußerte sich das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR). „Wir fordern die europäischen Regierungen auf, all ihre politischen Beziehungen zur libyschen Regierung zu nutzen, um eine deutliche Verbesserung der Lage für die Menschen in den Lagern zu erreichen“, sagte der UNHCR-Repräsentant in Deutschland, Dominik Bartsch, der „Welt“. „Ziel muss eine Freilassung aller Menschen aus den Lagern sein. Die Evakuierung der Flüchtlinge außer Landes ist eine lebensrettende Notlösung.“ (afp)