Ein möglicher Abschied aus der Politik beschäftigt dieser Tage die jungen Linken in den USA. In einem sehr resignativen Interview mit der New York Times deutete die linke Partei-Ikone Alexandria Ocasio-Cortez (AOC) an, dass sie sich aus der Politik zurückziehen könnte. AOC sagte, der Stress, die Kämpfe und vor allem die internen Diffamierungen und Denunziationen hätten sie mürbe gemacht.

AOC kämpft gleichermaßen gegen das demokratische Establishment wie gegen Banken und Konzerne. Sie wurde das Feindbild Nummer eins der Rechten, die sie als Kommunistin und Sozialistin brandmarkten. AOC steht für eine entschlossene Anti-Rassismus-Politik und setzt sich für eine radikale Umverteilung ein.

In der New York Times beklagt die vor allem bei den Jungen populäre Politikerin aus New York, dass das Übergangsteam von Biden mit der Agenda des progressiven Flügels der Partei nichts gemein habe. Es sei eine Missachtung derer, die Biden den Wahlsieg beschert hätten. Unter anderem nennt AOC die „jungen Einwanderer-Aktivisten, die die Wahlen in Nevada und Arizona entschieden haben“.

Ocasio-Cortez wurde in New York als Abgeordnete für das Repräsentantenhaus wiedergewählt: Ihr Wahlkampf war der zweitteuerste Einzelwahlkampf in den USA. Ocasio-Cortez sammelte 17,3 Millionen US-Dollar ein, ihr republikanischer Herausforderer John Cummings brachte es auf nur 9,6 Millionen US-Dollar. Dies zeigt, dass sie potente Unterstützer hat. Eine ihrer zentralen Forderungen ist eine allgemeine Krankenversicherung für alle Amerikaner – ein Ansinnen, das angesichts des Corona-Desasters in einem kollabierenden Gesundheitssystem breit diskutiert wurde.

Unterstützt wurde AOC außerdem von dem TV-Netzwerk „The Young Turks“, einem pointiert linken Programm, in dem eine völlig neue Gesellschaftsordnung gefordert wird. Der Ansatz wurde von Donald Trump mit „Venezuela“ verglichen und hat sicher viele traditionelle Demokraten verschreckt. Ob AOC wirklich von der politischen Bühne abtritt, ist allerdings ebenso ungewiss wie das Verschwinden von Donald Trump.