Paris - Algerien wollte mit dem französischen Militäreinsatz im Norden Malis nicht zu tun haben. Jetzt ist keine Woche vergangen, und die schlimmsten Befürchtungen von Präsident Abdelaziz Bouteflika wurden noch übertroffen: Er hatte die algerischen GIA-Terroristen – islamitische Gruppen, die während des inner-algerischen Bürgerkriegs Gewalt- und Gräueltaten verübten – besiegt. In einem jahrelangen und blutigen Feldzug waren sie in die Sahara zurückgedrängt worden. Nun aber sind sie zurück.

Und es besteht keinerlei Zweifel daran, dass die Anführer der Geiselnahme in der BP-Raffinerie algerischer Herkunft sind. Ihr Chef Mokhtar Belmokhtar stammt aus dem Dunstkreis des regionalen Al Kaida-Ablegers Aqmi. Dieser Organisation, die sich aus algerischen Ex-GIA-Kämpfern rekrutiert, unterstehen auch die Islamistengruppen, die seit vergangenem Jahr den Norden Mali beherrschen.

Ihr erneutes Auftauchen und ihre Rückkehr in der Wüste Algeriens ist kein Zufall. Die äußerst mobilen und schwer bewaffneten Dschihadisten kennen den Süden Algeriens wie ihre Westentasche, erstand lange unter ihrer Kontrolle. Mit ihrer Aktion setzen sie nun Frankreich unter Druck und strafen Präsident Bouteflika dafür ab, dass er den französischen Kampfjets das Überfliegen Algeriens für den Einsatz in Mali erlaubte. Man kann sogar annehmen, dass es Droukdel eine besondere Genugtuung war, das algerische Regime in den Konflikt zu verwickeln: Er weiß, dass sich Algier so weit wie möglich aus dem Konflikt heraushalten wollte.

Rivalität mit Paris

Bouteflika und sein berüchtigtes „Departement für Nachrichten und Sicherheit“ (DRS) – also der algerische Geheimdienst – hatten sich mit der Vertreibung der Salafisten aus dem eigenen Land begnügt: Was die Islamisten in Mali anstellten, war weniger wichtig. Auch sonst sah es Bouteflika gar nicht gern, dass die Franzosen begannen, für einen Militäreinsatz gegen die Islamisten in Mali Stimmung zu machen: Er hält die westliche Sahara für algerisches Einflussgebiet, und die ehemalige Kolonialmacht Frankreich ist in seinen Augen die letzte, die dort willkommen wäre.

Nach außen täuschte Bouteflika allerdings Bereitschaft vor, sich am Kampf gegen den Terrorismus in Mali beteiligen zu wollen – und gewährte deshalb den Franzosen die Überflugrechte. Insgeheim pflegte er jedoch auch Kontakte zur Islamistengruppe Ansar Dine.

Der französische Maghreb-Experte Mathieu Guidère verdächtigt den DRS sogar, diese etwas weniger radikalen – und nicht algerischen – Islamisten finanziell unterstützt zu haben. Auch in ihrem Kampf gegen die Franzosen, die alles daran setzen, die Gefahr eines neuen „Gottesstaates“ in ihrem eigenen Einflussgebiet im Sahel – von Senegal über Mali bis nach Niger und Tschad – zu bannen.

Diese Kontroverse zwischen Paris und Algier findet nun ein Ende: Die Ex-Kolonie und die Ex-Kolonialherrscher sind wieder mit der gleichen Terrorgefahr konfrontiert und gezwungen, zu kooperieren. Obwohl sie in Westafrika eigentlich gar nicht am gleichen Strick ziehen.