Alice Schwarzer im Interview: Hillary Clinton als US-Präsidentin wäre ein starkes Signal

Köln - Zum ersten Mal kann eine Frau der mächtigste Mensch der Welt werden. Alice Schwarzer ist überzeugt: Die Wirkung wäre enorm.

Wie wichtig wäre es für die Sache der Gleichstellung, wenn nun erstmals eine Frau das mächtigste Amt der Welt besetzen würde?

Schon die deutsche Bundeskanzlerin ist für die Frauen in der ganzen Welt ein bewundertes Vorbild. Und zwar ganz und gar unabhängig von deren Parteipräferenzen. Wie würde da erst die Wirkung einer US-Präsidentin sein! Die bekennende Feministin Hillary Clinton wäre als Präsidentin selbstverständlich ein sehr starkes Signal für die Gleichberechtigung der Frauen.

Müssen Politikerinnen immer noch männliche Attitüden annehmen?

Politikerinnen müssen alles können, was Männer können, und noch ein bisschen mehr. Aber sie sollten sich weder bemüht männlich inszenieren - da ziehen sie eh den kürzeren gegenüber den echten Männern - noch demonstrativ weiblich, dann nimmt man sie weniger ernst. Einer Staatschefin sollte man ins Gesicht sehen und nicht auf die Knie, und ihr sollten nicht die Füße wehtun, weil sie Highheels trägt.

Gibt es einen weiblichen Politikstil? Was würden Sie darunter verstehen, haben Sie ein Beispiel?

Eine Frau, und sei sie noch so erfolgreich, wird immer mit anderen Maßstäben gemessen. Was bei einem Mann als „durchsetzungsstark“ gilt, wird bei ihr „kalt“ genannt. Auch sind Frauen anders geprägt als Männer, haben eine unterschiedliche Lebensrealität. Also handeln sie auch anders.

Ich würde den Stil von Angela Merkel als „weiblich“ bezeichnen, genauer noch als „menschlich“. Sie ist als Frau nicht Teil des Boynetzwerks, ist also freier. Sie ist einfühlsam, siehe Flüchtlinge, sie ist uneitel und sachorientiert - und sie geht nach dem Regieren noch mal schnell im Supermarkt nebenan einkaufen. (dpa)