Berlin - Die AfD wird vor dem eigentlichen Wahlkampf für den Bundestag erst einmal einen parteiinternen durchführen. Für die Spitzenkandidatur treten jetzt gewissermaßen zwei Lager gegeneinander an: Die Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Alice Weidel, will gemeinsam mit dem AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla als Spitzenduo antreten. Das wollen aber auch die Bundestagsabgeordnete Joana Cotar und der frühere Generalleutnant Joachim Wundrak, der in Niedersachsen auf Listenplatz eins der AfD steht. Über das Spitzenduo werden die Parteimitglieder online abstimmen. Der Bundesparteitag hatte vor rund drei Wochen keine Festlegungen dazu gemacht.

Weidel hatte die Frage ihrer eigenen Kandidatur bislang offengelassen. Am Mittwoch trat sie mit Chrupalla gemeinsam vor die Presse. Am Abend zuvor hatte sie in der Talkshow von Markus Lanz bestätigt, dass sie mit Chrupalla im Spitzenduo antreten will. „Das werde ich wohl machen“, antwortete sie auf die diesbezügliche Frage. Abgesprochen mit der Partei war die Verkündigung nicht, sagte Weidel der Berliner Zeitung am Mittwoch. „Ich hatte mir aber vorgenommen, auf die Frage entsprechend zu antworten, wenn sie mir gestellt wird.“

Cotar und Wundrak gelten als Parteifreunde von Parteichef Jörg Meuthen, Weidel und vor allem Chrupalla werden dem Lager von Björn Höcke zugeordnet. Meuthen hatte ursprünglich dafür geworben, ein Spitzenduo zu bilden, das beide Lager vereint. Dass das nicht gelungen ist, wird die Partei vermutlich in eine weitere Zerreißprobe führen.

Alice Weidel hat sich mit dem rechtsextremen Flügel um Björn Höcke arrangiert

Cotar und Wundrak hatten ihre Kandidatur ebenfalls am Dienstag bekannt gegeben. „Mir ist an einer Lösung gelegen, die die AfD in ihrer Breite abbildet, mit der sich die Basis der AfD und unsere Wähler identifizieren können“, schrieb Cotar auf Facebook. „Da mein Angebot an Tino Chrupalla, ein gemeinsames Team zu bilden, nicht angenommen wurde, was ich sehr bedauere, und auch kein anderes Team ins Rennen gegangen ist, das diesem Anspruch gerecht wird, haben Herr Wundrak und ich uns entschieden, uns gemeinsam für die Spitzenkandidatur zur Wahl zu stellen.“ 

Am Mittwoch erklärte Wundrak , man trete für eine Abgrenzung nach „extrem rechts“ ein. Er sei immer dafür, sich „mit Respekt dem politischen Gegner zu nähern“. 

Weidel hatte ihre Kandidatur ganz am Ende der Lanz-Sendung erklärt. Damit machte sie gleichzeitig klar, dass sie sich mit dem rechtsextremen Flügel um Björn Höcke arrangiert hat. Sie selbst gab in der Sendung zuvor nur sehr ausweichende Antworten dazu. Auf die Frage, sie sei von einer Kritikerin Höckes zu seiner Verbündeten geworden, antwortete sie mit einer Gegenfrage: „Warum bin ich die Verbündete?“

In der Fraktion spielten die verschiedenen Strömungen in der Partei gar keine Rolle, so Weidel. Das liege am integrativen Führungsstil von Alexander Gauland und ihr. „Ich bin Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Björn Höcke ist Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag“, antwortete sie auf das aktuelle Verhältnis zu Höcke.

Im Jahr 2017 hatte sie das Parteiausschluss-Verfahren gegen ihn befürwortet. Es war nach Höckes Dresdner Hetzrede eingeleitet worden, in der er unter anderem die Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg mit den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki verglichen und eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ gefordert hatte. Weidel bezeichnete die Rede als hoch problematisch, doch habe die Partei inzwischen dazugelernt. Das wird sich im Wahlkampf zeigen.