Bei einer Black Lives Matter Demonstration.
Foto: AP/Michael Sohn

Berlin - Gestern habe ich lange mit meiner Freundin telefoniert. Bestimmt zwei Stunden. Was man so redet auf Distanz: Gesundheit, Familie, Stress aller Art. Wir sprachen über die Ruhe während des Lockdowns, das Vogelzwitschern und wie sich Zeit in diesen Zeiten anfühlte. Eigentlich wollten wir das Thema Rassismus vermeiden, denn dann lärmt es im Kopf und im Herzen. Rassismus in Deutschland ist bei uns kein Nebengeräusch, kein Rauschen, sondern ein Dröhnen der Ohnmacht. Es ist ein schriller Ton von Unrecht, es hört sich an wie ein Sirenenlärm der Gewalt. Sie ist Schwarz, ich bin Jüdin, wir hören das jeden einzelnen Tag.

In den letzten Wochen hatte sich die Tür einen winzigen Spalt geöffnet, hinter der die Realität des Rassimus liegt. Ein großer Teil der Bevölkerung ist inzwischen davon betroffen, denn ob man nun will oder nicht, Deutschland ist schon lange nicht mehr nur weiß. Trotzdem wird meine Freundin öfter von der Polizei kontrolliert, öfter in Geschäften ignoriert, öfter auf Behörden anmaßend und immer wieder zu Erklärungen genötigt als Menschen wie ich, die ihre Geschichte nicht auf der Haut tragen. Neulich überquerten wir eine schmale, verkehrsberuhigte Straße und ein Auto näherte sich langsam. Als der Fahrer meine Freundin sah, grinste er und trat aufs Pedal. Er verfehlte uns nur knapp.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.