Berlin - Ossis in Rage und Wessis im Zorn trafen sich am Wochenende auf den Straßen Berlins, um gemeinsam gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung zu demonstrieren. Sie benutzten bewährte Demosprüche: „Wir sind das Volk“ oder „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Freiheit klaut“.

Mit einer Ausnahme waren alle Demonstrationen verboten – nicht wegen der dort geäußerten Meinungen, sondern weil die Hygiene-Regeln erwartbar missachtet wurden: keine Masken, kein Abstand. Doch die Polizei ließ die Leute laufen – durch Mitte, Friedrichshain, Prenzlauer Berg. War eine kritische Menschenzahl erreicht, stoppte die Polizei den jeweiligen Zug und drängte die Leute in andere Straßen.

Das Stoppen, Wegleiten, Verteilen, Auflösen gelang immer wieder. Die ohnehin weitgehend friedlich gestimmten Menschen freuten sich dennoch der Möglichkeit, ihre Meinung zu zeigen. Vor dem Kino International erklang „Oh, wie ist das schön“.

Sollten aggressive Rechte dabei gewesen sein, blieben sie unauffällig. Da waren vor allem von den schier endlosen Beschränkungen genervte Leute unterwegs, die die Aussetzung von Grundrechten nicht durch Infektionsschutz gerechtfertigt sehen. Und so, wie sie das vortrugen, geht es in Ordnung. Dass es überwiegend friedlich blieb, ist auch der Polizei zu danken. Die Taktik, die Leute bis zur Ermüdung oder einem Regenguss laufen zu lassen, funktionierte.

Corona ist nicht vorbei, aber die Anspannung sinkt. Das spürte man in der Demonstrantenschar. Ehrliche Sorge um die Demokratie ist ernst zu nehmen, auch wenn wieder abstruse Geschichten zu hören waren. Eine lautet: Die Kliniken seien überlastet, weil so viele Impfschäden zu behandeln sind. Sehr falsch. Zum Glück.