Berlin - Der Alterssicherungsbericht 2016 der Bundesregierung, dieser Zeitung vorliegt, liefert eindringliche Fakten und widerlegt manches vorschnelle Urteil in der öffentlichen Debatte über die Zukunft der Rente. Einige Beispiele:

„Den Rentnern im Osten geht es schlechter als im Westen.“

Stimmt nicht, wenn man auf die Zahlbeträge der gesetzlichen Rente schaut. Wegen der meist ungebrochenen Erwerbsbiografien im Osten liegen sie dort höher. Die Durchschnittsrente in den alten Ländern beträgt 926 Euro, in den neuen Ländern 1087 Euro. Stimmt aber letztlich doch, denn im Westen sind Betriebsrenten und Zusatzversorgungen stärker verbreitet. Rechnet man deren Erträge hinzu, kommt man auf durchschnittlich 1442 Euro pro Kopf im Westen und 1298 Euro im Osten.

„Eine niedrige Rente bedeutet Altersarmut.“

Das wird von der Studie aber widerlegt. Oft beruhen gerade Kleinstrenten auf einer nur vorübergehenden Berufstätigkeit. Oder ein Partner jobbt nur wenige Stunden, weil der andere genug verdient. „Es zeigt sich, dass ein geringer Rentenbetrag mit vergleichsweise hohen Gesamteinkommen einhergeht“, so  der Bericht. Tatsächlich verfügen manche Ehepaare mit einer Rente unter 250 Euro über ein überdurchschnittliches  Bruttoeinkommen von 4136 Euro im Monat.

„Im Westen gibt es mehr vermögende Senioren“.

Stimmt. Aber: Im Westen gibt es auch einen deutlich höheren Anteil von Ruheständlern, die weniger als 750 Euro Nettoeinkommen beziehen. Der Grund: Im Westen ist die Einkommensspreizung viel größer. Im Osten hingegen verfügt statistisch jedes zweite Senioren-Ehepaar über 2000 bis 3000 Euro netto im Monat.

Schon diese wenigen Beispiele zeigen: Der Wälzer müsste zur Pflichtlektüre aller Politiker werden, die über die Rente reden. Anders als herkömmliche Statistiken untersucht der Bericht, den die Bundesregierung alle vier Jahre vorlegen muss, nicht nur die Entwicklung der gesetzlichen Rente. Auf Basis einer repräsentativen Erhebung von TNS Infratest Sozialforschung unter 30 600 Bürgern nimmt er vielmehr die tatsächliche wirtschaftliche Lage der Senioren in den Blick, die auch von Partnereinkommen, Ersparnissen, Mieteinnahmen oder Versicherungsleistungen geprägt ist.

Das Fazit der Regierung lautet: „Die heutige Rentnergeneration ist überwiegend gut versorgt.“ Nur rund drei Prozent der über 64-Jährigen sind auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen. Netto verfügen Senioren-Haushalte im Schnitt über 2543 Euro im Monat. Bei Alleinstehenden sind es 1472 Euro. Solo-Männern freilich geht es deutlich besser als Frauen.