Es gibt gute Nachrichten vom BER – und es gibt schlechte Nachrichten. Seit dem Frühjahr kämpft sich der Flughafen aus der Pandemie-Flaute. Die Passagierzahlen steigen – das ist gut, weil damit die Einnahmen der hochverschuldeten Flughafengesellschaft steigen. Doch der Aufschwung birgt schon jetzt eine Gefahr.

Zum Beginn der Sommerferien in drei Wochen droht Chaos, Schlangen am Check-in-Schalter bis vor die Tür inklusive. Jetzt schlägt die Berliner CDU Alarm. Um das Ärgste zu verhindern, solle alles getan werden, um schnell mehr Personal zu gewinnen, heißt es. Außerdem müssten zur Not sogar Zelte bereitgestellt werden.

Der Schrecken des Herbstes könnte zurückkehren

Christian Gräff erinnert sich mit Schrecken an den Beginn der Herbstferien voriges Jahr. „Da reichte die Warteschlange beim Check-in bis außerhalb des Terminals“, sagt der Wirtschaftspolitiker und BER-Fachmann der Berliner CDU im Gespräch mit der Berliner Zeitung.

Nicht erst seit dem Herbst gilt das Terminal 1 als neuralgischer Punkt des Flughafens. Kritiker bemängeln die üppige Möblierung der Abfertigungshalle, die Wartenden dort zu wenig Platz lässt, wo er gebraucht wird. „Die Check-in-Halle ist zu klein“, sagt Gräff.

Seit Ostern ist das Terminal 2 in Betrieb. Doch das, so Gräff, „hilft nur ein bisschen, aber nicht wesentlich“. Da passt es ins Bild, dass eben dieses Terminal 2 ausgerechnet am Karfreitag schwächelte. Über Stunden fiel die Gepäckförderanlage aus. Die Folge waren lange Wartezeiten, einige Passagiere verpassten ihren Flug.

Das eigentliche Problem des BER liegt aber woanders: beim Personal. Es arbeiten einfach zu wenige Menschen bei den Bodendienstleistern, bei der Abfertigung, der Gepäckbeförderung, der Reinigung und auch beim Sicherheitsdienst. Das ist eine Langzeitfolge der Pandemie, als das Fluggeschäft zusammenbrach und massenhaft Personal gestrichen wurde.

Mittlerweile steigen die Zahlen wieder. So wurden im April 1,8 Millionen Passagiere am BER gezählt, 500.000 mehr als im Vormonat. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass im April des Vor-Corona-Jahres 2019 in Tegel und Schönefeld 3,1 Millionen Menschen abgefertigt wurden. Doch der Trend zeigt nach oben. So registrierte der BER im Mai 2022 schon 1,93 Millionen Fluggäste. Insgesamt waren es in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 6,7 Millionen Menschen. Die Auslastung der Maschinen betrug im Mai 2022 mehr als 80 Prozent. Im Januar waren es noch knapp 60 Prozent.

Das sind vor allem betriebswirtschaftlich positive Zahlen. Flughafen-Chefin Aletta von Massenbach zeigt sich eisern optimistisch. „Insbesondere die Osterferien haben gezeigt, dass der Flughafen BER für einen ansteigenden Flugbetrieb gerüstet ist“, ließ sie sich in einer Pressemitteilung zitieren. Aber sagte auch: „Wir arbeiten gemeinsam mit unseren Partnern weiter hart daran, unseren Passagieren auch künftig möglichst reibungslose Abläufe zu bieten.“

CDU fordert Chefgespräche – und Zelte für Wartende

Geht es nach CDU-Mann Gräff, sind dringend weitere Gespräche angezeigt. „Es muss Runden mit allen Beteiligten auf der Geschäftsführungsebene geben“, fordert der Politiker. Insbesondere müsse aber mit den Ämtern gesprochen werden, die für die Sicherheitsüberprüfungen der Flughafenangestellten zuständig sind. „Diese Überprüfungen dauern derzeit teilweise mehr als sechs Monate. Das ist viel zu lang.“

Kurzfristig ist der Personalmangel am BER nicht zu lösen, das weiß auch Gräff. Mit Beginn der Sommerferien am 7. Juli wird es voll und eng. Sein Ratschlag: „Der Flughafen muss sich auf Schlangen vorbereiten und zur Not Zelte für die Wartenden aufstellen.“