Schwierigkeiten bereitet den Behören jener Typ des Einzeltäters, der im Fachjargon der Terrorexperten „Einsamer Wolf“ oder „lone actor“ heißt.
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Unbemerkt von seiner Umwelt radikalisiert sich irgendwo in diesem Land der nächste Amokläufer – am Computer, in Internetforen, auf Spieleplattformen, wo auch immer. Es ist jener Typ des Einzeltäters, der im Fachjargon der Terrorexperten „Einsamer Wolf“ oder „lone actor“ heißt, jemand, der nicht unter einem Kommando steht oder von einer Gruppe unterstützt wird. Dieser Tätertyp schoss schon 2019 in Christchurch und El Paso. Dann in Halle und jetzt in Hanau.

Jahrelanger Kampf gegen islamistischen Terrorismus

Die Behörden haben ein Problem: Bei einem strammen Neonazi oder einer althergebrachten Nazi-Kameradschaft weiß man, was man hat. Sie sind relativ gut zu überwachen durch V-Leute oder durch das Anzapfen des Telefons. Aber wie umgehen mit den einsamen Akteuren, die sich in immer wirrere Gedanken und Verschwörungstheorien steigern wie der Täter von Hanau? Jahrelang konzentrierten sich die Sicherheitsbehörden auf den Kampf gegen den islamistischen Terrorismus, was gut und richtig war.

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Der Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz und der damit verbundene öffentliche Druck trieb die Ordnungshüter vor sich her. Abseits des Islamismus reifte jedoch eine Bedrohung, die der Verfassungsschutz erst seit dem Anschlag im vergangenen Jahr in Halle so richtig auf dem Schirm hat. Es war ein Fehler, den Rechtsextremismus und seine einsamen Täter zu vernachlässigen.

Zumindest der Berliner Verfassungsschutz will nun stärker das Internet durchsuchen und sich – wie schon bei den Islamisten – Einzelpersonen genauer ansehen, die sich einsam am Heimcomputer radikalisieren. Es bleibt jedoch der Eindruck, dass die Sicherheitsbehörden ihr Handeln danach ausrichten, welches Thema gerade politische Konjunktur hat.