WASHINGTON - Carolyn McCarthys Ehemann Dennis starb am 7. Dezember 1993 – erschossen, weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war. Er wurde – zusammen mit fünf anderen Menschen – Opfer eines Amokläufers in Garden City im US-Bundesstaat New York. Der Tod ihres Mannes hat Caroly McCarthy, Kongressabgeordnete der Demokraten in Washington, zu einer Advokatin für schärfere Waffengesetze gemacht.

„Wir dürfen die Möglichkeiten, solche Tragödien zu verhindern, nicht weiter ignorieren“, sagte die Politikerin nach dem Massaker in dem Kino von Aurora in Colorado, bei dem ein 24 Jahre alter Akademiker am Freitag zwölf Menschen getötet und mehrere Dutzend verletzt hat.

Doch es wird wohl wieder nichts werden mit McCarthys Wunsch, den Amerikanern den Zugang zu Schusswaffen zu erschweren. Denn da gibt es etwa Louie Gohmert, den republikanischen Kongressabgeordneten aus Texas. Der fragte schon kurz nach dem Amoklauf von Aurora öffentlich, ob ein bewaffneter Kinobesucher den Todesschützen womöglich schneller hätte stoppen können.

Kaum ein Thema ist in den USA politisch so umstritten wie die seit Jahrzehnten immer wieder debattierte Verschärfung der Waffengesetze. Präsident Barack Obama, der am Sonntag eine Trauerfeier für die Opfer des Amokläufers in Colorado besuchen wollte, hat im Wahlkampf 2008 zwar angedeutet, sich der Sache annehmen zu wollen. Doch geschehen ist nichts. Und bis zur Präsidentschaftswahl im kommenden November dürfte auch nichts mehr geschehen.

Die Demokraten fürchten, von den Wählern bestraft zu werden. Und Obamas republikanischer Herausforderer Mitt Romney hat erst vor wenigen Wochen auf der Jahreshauptversammlung der einflussreichen Waffenlobby-Organisation National Rifle Association (NRA) öffentlich erklärt, dass er für den Fall seiner Wahl nichts am zweiten Verfassungszusatz aus dem Jahr 1791 ändern werde, der das Recht auf Waffenbesitz festschreibt.

Widerstand gegen Verbote wächst

Die NRA mit ihren vier Millionen Mitgliedern leistet seit Jahren Lobbyarbeit im Sinne der Waffenbesitzer. Umfragen zeigen, dass die Zahl der US-Amerikaner, die für eine Verschärfung der laxen Gesetze sind, über die Jahrzehnte hinweg konstant gesunken ist. 1990, so eine Gallup-Erhebung, sprachen sich noch acht von zehn Befragten für strengere Vorschriften für den Verkauf von Waffen aus. 1999, nach dem Massaker an der Columbine High School in Colorado, waren es nur noch 60 bis 66 Prozent.

Und nach dem Amoklauf an der Virginia Tech University im Jahr 2007 sank der Anteil auf gut 51 Prozent. Im Oktober 2011 ergab eine Umfrage, dass 73 Prozent der US-Bürger gegen ein Verbot des privaten Waffenbesitzes sind. Das war der höchste Wert seit mehr als 50 Jahren – und die NRA legte ihn als Beleg für ihre erfolgreiche Lobbyarbeit aus.

In Aurora gelang es der Polizei am Wochenende, die letzten Sprengfallen in der Wohnung des mutmaßlichen Attentäters James Holmes zu entschärfen. Nach Angaben der Polizei hatte der von Nachbarn und Freunden als unauffälliger Einzelgänger beschriebene Mann dort etwa 60 explosive Vorrichtungen installiert, bevor er in dem Kino-Komplex um sich schoss. Polizeichef Dan Oates erklärte, Holmes habe es offenbar darauf angelegt, noch mehr Menschen zu töten.

Um Nachbarn aufzubringen, hatte der mutmaßliche Massenmörder vor dem Verlassen seiner Wohnung laute Musik angestellt. Eine Frau aus dem Appartementhaus, die unter Holmes wohnt, entging offenbar nur deswegen dem Tod, weil sie Holmes’ unversperrte Wohnungstür nicht öffnete, als sie sich über den Lärm mitten in der Nacht beschweren wollte.

Der Doktorand der Neurowissenschaften soll seine Tat nach bisherigen Erkenntnis seit Monaten geplant haben. Er soll an diesem Montag dem Haftrichter vorgeführt werden.